Schlechtes Casting – guter Film? – Teil 1 Batfleck

Ein Problem, so alt wie der Film selbst… Das Drehbuch steht, der Regisseur ist gefunden und nun trudeln reihenweise Informationen zu verschiedenen Personen und den Rollen, die sie im entsprechenden Film verkörpern, ein. Gerade im Bereich der Comicverfilmungen gab es in den letzten Jahren diverse Aufreger, wenn es um das Casting für die beliebten Bilderbuchhelden ging. In den nächsten Beiträgen möchte ich mich mal ein paar solcher Entscheidungen widmen und aufzeigen, dass Filme weiterhin ein kreatives Medium sind und nicht jedes Casting schlecht sein muss.

Beginnen wir mit meinem persönlichen Schocker: Batfleck! Das lassen wir jetzt mal so stehen.

Was lief es mir kalt den Rücken runter, als ich diese Entscheidung damals las. Der Mann, der noch vor einigen Jahren aus Daredevil eine Witzfigur machte, soll jetzt den Dunklen Ritter im K(r)ampf gegen Superman mimen? Skandal. Blasphemie. Ein Todesurteil für den noch nicht gedrehten Film. Und ich gebe zu, dass es auch mir so ging. Nach der tollen Leistung eines Christian Bale in der Nolan-Trilogie dachte ich, es ist schlichtweg zu früh für ein neues Gesicht. Und dann auch noch dieser untalentierte Kastenkopf… Es war schlichtweg Angst, die sich in mir aufbäumte. Eine Ablehnung, die mit dem Mann ohne Furcht begann und nie wieder so richtig abflaute. Zumindest bis ich mir den Klassiker „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ zur Hand nahm, dem Comic, der zumindest die Vorlage für die Darstellung Batmans bieten sollte. Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Mann sieht 1:1 aus wie Bruce Wayne.

Zum ersten Mal machte ich mir keine Sorgen mehr, sondern erkannte, wie gut und mutig diese Darstellung werden konnte. Ebenfalls holte ich einige der jüngeren Werke Afflecks nach und revidierte meine Meinung zu dieser Castingentscheidung. Die Angst, die auf einem 15 Jahre altem Film beruhte, war schlichtweg unnötig. Zum ersten Mal seit ich Comics lese und die Verfilmungen schaue, könnte es passieren, dass eine Figur auf der Leinwand aussieht, wie die Vorlage. Wer mir nicht glaubt, soll sich an dieser Stelle einfach mal ein paar Bilder von Affleck und der Vorlage anschauen.

Auch aus schauspielerischer Sicht hat der gute Mann in den letzten Jahren ordentlich zugelegt, denn egal ob ‚Argo‘, ‚Gone Girl‘ oder ‚The Town‘; Affleck hat in allen eine gute Vorstellung abgeliefert. Und letztlich ist es doch das, worum es bei Filmen gehen sollte. Gute Darstellung einer Figur. Und im Falle von Affleck als Batman mache ich mir da nun so gar keine Sorgen mehr. Ganz im Gegenteil.

Im nächsten Teil möchte ich mich mal um den kommenden Joker kümmern und aufzeigen, wieso Leto eben keine schlechte Wahl ist.

Civil War – der Bürgerkrieg der Superhelden

Da tobt gerade noch der „epische“ Kampf der Avengers im heimischen Lichtspielhaus, da erreichen uns ständig neue Details zum neusten Streich aus dem ‚Haus der Ideen‘. Der mittlerweile dritte Teil von Captain America trägt den unscheinbaren Untertitel „Civil War“ und dabei gehen dem Comicfan die Herzen auf, denn das Mega-Event zählt zu einer der spannendsten und weitreichendsten Erzählungen der jüngeren Zeit. Allerdings habe ich nach Age of Ultron eine gewisse Skepsis, dass sich die Russo – Brüder vielleicht übernehmen könnten.

Worum gehts?

Aufhänger des namensgebenden Krieges ist ein missglückter Einsatz junger Superhelden, der vor laufender Kamera Zivilopfer fordert. Empört und zutiefst verunsichert werden Rufe der Bevölkerung laut, die selbsternannten Helden unter Aufsicht zu stellen und sie zu überwachen. Tony Stark, aka Iron Man, arbeitet zusammen mit S.H.I.E.L.D. an einem Gesetz, dass jeden maskierten Helden zur Registrierung bewegen soll und fortan zu einem offiziellen Agenten im Dienste der Regierung macht. Er hofft damit künftig Katastrophen zu verhindern und Menschenleben zu retten. Ein wesentlicher Teil dieser Registrierung ist die Offenlegung der Geheimidentität. Jeder, der sich dieser Anordnung widersetzt, macht sich strafbar und damit zum Feind des Landes.

Captain America, der seine Anfänge im zweiten Weltkrieg nahm, fürchtet um die Unabhängigkeit und moralische Integrität wenn die unterschiedlichen Helden anfangen, die Befehle einer undurchsichtigen Organisation auszuführen, weshalb er sich öffentlich gegen die Pläne seines einstigen Waffenbruders stellt. So entstehen zwei Lager deren Zusammensetzung unterschiedlicher nicht sein könnte, denn die Motivationen jedes Helden sind grundverschieden. Während einige fest an die Motive von Tony Stark glauben, teilen andere die Befürchtungen von Captain America. Und so entbrennt eine Schlacht, die das Marvel-Universum für lange Zeit verändern sollte, denn es gibt Verluste auf beiden Seiten. Vertrauen, Freundschaft und Leben. Alles nimmt ein Ende.

Und wo liegt das Problem?

Hauptsächlich zunächst gibt es zu wenig bekannte Helden, deren Konflikt interessant sein könnte. Die Vorlage zeigt jeden erdenklichen Superhelden und Schurken und beleuchtet kurz dessen Beweggründe. Für die Filmvariante gibt es aber nur eine Hand voll neben Captain America und Tony Stark. Jedenfalls nicht genug um es zu einem Krieg werden zu lassen. Bestenfalls ein Scharmützel, wenn auch mit ordentlich Bumms, wie in der Szene Hulk vs. Hulkbuster bereits zu sehen war. Ich fürchte einfach, dass die Stimmung des Comics, der Bruch mit alten Gepflogenheiten nicht wirklich eingefangen werden kann, denn es gibt kaum Charaktere, deren Schicksal mir wirklich zu Herzen geht. Klar haben wir ein paar Namen auf der Liste und ja, bei einigen wäre ich traurig, wenn sie sterben, aber im großen und ganzen ist mir deren Entwicklung recht gleichgültig.

Ein anderer Grund ist die Zeit. Selbst wenn der Film die mittlerweile üblichen 2 Stunden überschreitet, so bleibt doch recht wenig Screentime um alle Seiten des Konflikts zu beleuchten. Entgegen der üblichen Comicregeln gibt es kein Schwarz und Weiß ebenso kein richtig oder falsch. Lediglich unterschiedliche Ansichten und ein jeder hat sich zu entscheiden. Da es Caps dritter Soloausflug ist, nehem ich stark an, dass wir die Erlebnisse aus seiner Sicht sehen und damit wird Iron Man zum Buhmann. Das wäre sehr schade, denn damit wäre die Story um ihre Vielschichtigkeit beraubt. Civil War wäre ein schönes Beispiel für eine Miniserie, aber das ist ein anderes Thema.

In Age of Ultron sind mir gleich zwei Sachen sehr unschön aufgestoßen. Zum einen ist es die fehlende Konsequenz einen Bösewicht wirklich böse zu machen, denn Ultron wirkte nur im Trailer wirklich bedrohlich. Im Film hingegen war er lediglich ein Kindskopf im Blechmantel, wie Iron Man, nur eloquenter. Hier muss Marvel dringend justieren und mir einen Thanos liefern, der wirklich in der Lage ist, alles und jeden zu vernichten. Allmählich wirkt dieses gut über böse Geplänkel ermüdend. Eine andere Sache wäre das Überraschungsmoment. Hätten wir nicht alle Bauklötze gestaunt, wenn Hawkeye oder Black Widow gegen Ultron den kürzeren gezogen hätten? Wenn sie gestorben wären, ohne Wiederkehr, ohne Hintertürchen. Mausetot? Damit würde allem wieder eine Bedrohlichkeit zugesprochen werden, die ich aktuell leider vermisse. in ‚Civil War‘ gibt es Verluste auf beiden Seiten und ich würde mir sehr wünschen, dass die Verfilmung sich darin ernst nimmt.

Ein anderer Aspekt ist die Sache mit den Geheimidentitäten, denn soweit ich das überblicke weiß die Bevölkerung im MCU über jeden einzelnen Bescheid. In der Vorlage ist das anders, was dem Gesetz eine notwendige Brisanz verleiht Die Entscheidung, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, lässt sich nicht rückgängig machen.

Alles in allem wünsche ich mir, dass der Film der Vorlage gerecht wird und sich vielleicht etwas mehr an der wirklich mutigen Daredevil-Serie orientiert und weniger an dem klamaukigen GotG. Hoffen wir darauf, dass Spiderman seinen Weg in den Plot findet, hoffen wir auf einen sinnvollen Einsatz des Black Panthers. Aber vor allem hoffen wir auf einen guten und spannenden Film.

 

Alles neu macht der Mai – Ein Resümeé

Es ist schon eine Weile her, dass ich das Letzte mal etwas geschrieben habe und das hat auch einen guten Grund. Wie so oft, drehten sich meine Gedanken in letzter Zeit um mich. Wer bin ich, wieso bin ich und wo möchte ich sein…. Diese Fragen sorgten für schlaflose Nächte und geistesabwesende Tage, doch zu einer wirklichen Antwort bin ich nicht gekommen. Doch eins stand außer Frage. Etwas musste sich ändern.

Denn inzwischen ertrage ich mein Wesen nicht mehr. Dazu muss ich sagen, dass ich ein Schwarzmaler bin, ein pessimistischer Miesepeter, wie er im Buche steht. Wo andere frohes Kinderlachen vernehmen, spüre ich Wut über den Geräuschpegel. Man könnte fast sagen, ich sei die zu junge Version des pöbelnden, ewig unzufriedenen Rentners, der stets und ständig über die „respektlose Jugend“ schimpft. Obendrein, oder eben deswegen, bin ich ein Zyniker. Zwar mit Sinn für Humor, aber der ist nicht mehr als mein Umgang mit der Welt, in der ich mich so fehlbesetzt fühle. Und genau das muss sich ändern, denn mein Glück und die Lebensfreude nehmen ab. Es scheint ein wenig so, als höhlte ich mich von innen aus, bis nicht mehr verbleibt als eine substanzlose Hülle.

Also habe ich ein paar Entscheidungen getroffen, wie ich dem Umstand Herr werden könnte… Der erste war es, mit meiner täglichen Schreiberei aufzuhören. 750 Worte sind eine ordentliche Stange und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich es über 100 Tage in Folge geschafft habe. Dabei sind mal mehr und mal weniger gute Texte entstanden. Einige Ideen, lesenswerte Minikurzgeschichten und sogar der Grundstein für das Buch, an dem ich natürlich weiterhin arbeite. Auch mein Schreibstil, Wortwahl und Ausdruck haben sich deutlich verbessert. Etwas wofür ich dankbar bin, denn ich habe gelernt, was es heißt sich zu engagieren und auch mal Dinge zu tun, auf die man gerade keinen Bock hat. Ich erinnere mich an Abende, an denen mein Kopf genauso leer war wie die Seite vor mir. Die Augen schwer und nur der Gedanke an die eigene Pflicht trieben mich durch den Text. Ich habe gelernt, wie sich Kreativität, Ideen und Einfälle über das Schreiben wie von selbst entwickeln, was dazu führte, dass kaum ein Text den geplanten Verlauf annahm. Eigentlich hätte ich gegensteuern müssen, aber das wollte ich nicht. Die Worte sollten sich frei und ungezwungen entwickeln, weshalb sie mehr und mehr zum Spiegel meiner Seele wurden. Vielleicht sollte ich anfangen Tagebuch zu führen und meine Gedanken mit mir selbst teilen. Ist nämlich nicht so leicht, wie es klingt. Mit dem Schreiben um des Schreibens Willen ist allerdings Schluss. Leider ist mir aufgefallen, dass mir das Ganze zu viel Zeit und Kraft raubt. Und von beidem habe ich derzeit zu wenig. Lieber nutze ich die vorhandenen Ressourcen sinnvoll. Für mich, denn die bereits gemachte Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen.

Den neu gewonnenen Raum widme ich meinem allgemeinen Wohlbefinden. Wie etwas weiter oben bereits beschrieben, habe ich es mir zum Ziel gesetzt positiver zu werden und die guten Aspekte stets vor den negativen zu erkennen. Um das zu bewerkstelligen, möchte ich einiges ausprobieren.

Ein erster Schritt dafür ist die Rückkehr zu meinem „Glückstagebuch“. Einem kleinen und wunderschönen Büchlein, in das ich bestenfalls täglich die positiven Erlebnisse des Tages sammle. Ich hatte damit schon vor ein paar Jahren angefangen, aber aus Gründen der mangelnden Disziplin wieder damit aufgehört. Mein Ziel ist es, immer wenn ich mich schlecht fühle, nachlesen kann, wieso mir der Tag gefallen hat und welche Kleinigkeiten glücklich machen können. Hoffentlich schärft eben das meine Sinne.

Ein weiterer Plan ist es, möglichst viele neue Erfahrungen zu  sammeln um mich der Welt, vor der ich allem Anschein nach Angst habe, weiter zu öffnen. Gemeint sind damit vollkommen neue Erfahrungen und Eindrücke, zu denen ich mich wie bei der Schreibchallenge erst zwingen muss. Auch hier verpflichte ich mich mir selbst und sammle die Ergebnisse unter dem Hashtag #machsgut bei Twitter und FB. Vielleicht steigt ja irgendwer mit ein. Gemeinsam für ein besseres Wohlbefinden.

Das soll es soweit erstmal von mir sein. Machs gut, altes Leben! Egal was du nun tust, mach’s gut!

 

Nerdkram und Kultur – meine Woche in Worten

Die Woche neigt sich dem Ende, während die Sonne heftigen Schauern Platz gemacht hat. Zeit sich mit einem warmen Tee an die Rekapitulation der letzten Tage zu machen. Ich habe ein Buch gelesen, eine Serie beendet, Avengers gesehen und die ersten Gehversuche in Bloodborne gewagt. Aber wie so oft, alles der Reihe nach. An einem kuscheligen Sonntag sollte man grundsätzlich nichts überstürzen oder sich mit unnötiger Eile plagen. Beginnen wir also ganz gemächlich, Zeit haben wir schließlich genug.

Der kleine Prinz

Wie in so vielen Bereichen, habe ich auch bei Büchern diversen Nachholbedarf. Es gibt aber auch einfach zu viel, das man Lesen, Sehen Hören oder Erleben sollte. Dafür ist das Leben einfach zu kurz. Eines der Werke, die auf der ewig währenden Liste der muss man gelesen haben Bücher verweilt ist Der kleine Prinz. Das französische Kinderbuch, dass binnen kürzester Zeit Kultstatus erlangte, weil die philosophischen Ansichten darin weit über das Kindesalter hinaus Anklang finden. Einige Zeit wehrte ich mich dagegen, fand es albern und unnötig dieses Buch zu lesen, muss aber zugeben, dass ich jetzt, da ich es gelesen habe, froh bin mich geirrt zu haben. Denn es ist toll. Ich denke für jeden ist etwas dabei und jeder kann aus dem einen oder anderen Satz etwas für das eigene Leben ziehen. Zur Handlung gibt es nicht viel zu sagen, es geht mehr um die Ansichten, die beschrieben werden. Etwas, dass man erlebt haben sollte. Mein Satz, ist einer, der das Leben besser beschreibt als irgend ein anderer, einfach nur, weil er wahr ist:

Man muss die Raupen ertragen um die Schmetterlinge zu sehen

Bloodborne

Harter Schnitt! Von dem einen, dass schön ist, zum anderen, das brutal, grausam und frustrierend ist. Das Spiel, auf das ich so lange gewartet habe ist bei mir eingekehrt. Und es ist wundervoll. Grafisch waren die Spiele von From Software noch nie ein Leckerbissen, aber das wollten sie auch nie sein. Vielmehr schaffen sie eine stimmige Welt, eine Atmosphäre, die dichter kaum sein könnte und rätselhafte und gleichzeitig faszinierende Geschichte. So auch in Bloodborne. Ein Spiel, dass es zu meistern gilt. Man macht Erfahrungen, scheitert, lernt dazu, wir besser, scheitert erneut. Nirgendwo sonst ist die Motivationskurve so groß, der Anreiz das scheinbar unüberwindbare zu überwinden, nur um des eigenen Egos wegen. Bloodborne ist das, was Dark Souls II nicht war. Eine echte Neuerung, eine intelligente Weiterentwicklung eines bewährten Konzepts. Die Welt ist blutig, die Kreaturen seltsam, die Schwierigkeit immens. Der Tod lauert überall und diese Gefahr ist spürbar, fast schon real. Die viktorianische Stadt in ihren Schwarz-grau-Tönen zieht jeden sofort in seinen Bann. Man will sie erkunden, ihr ihre Geheimnisse entlocken ohne dabei ein Teil davon zu werden. Naja, dann bin ich noch auf den ersten Boss gestoßen und der hat mir direkt den Arsch aufgerissen. Sicher werde ich das nochmal gesondert behandeln, wenn meine Erfahrungen mehr hergeben als 3 Spielstunden.

Avengers – Age of Ultron

Lange habe ich den Tag herbeigesehnt, bis das Superheldenteam um Captain America und Co. in den Kampf gegen den namensgebenden Superroboter zieht. Der Trailer versprach viel, der Film bot alles und dennoch bleibt eine gewisse Ernüchterung zurück. Die Action war bombastisch und gerade die Startsequenz war toll inszeniert. Allerdings gab es einige Aspekte, die mir zu schnell abgehandelt wurden. Für vieles hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, mehr Erläuterungen und mehr Verbundenheit zum gesamten Gefüge. Zeitweise hatte ich das Gefühl, dass Leser beim Anschauen der Harry Potter- Filme gehabt haben müssen. „Ohne Hintergrundwissen, steigt doch keiner mehr durch.“ Vieles wirkte auf mich wie reiner Fanservice.Der Hulkbuster, die offensichtliche Einführung von Wakkanda als Teil des MCU. Easter Eggs sind eine tolle Sache, aber nur, wenn ich danach suchen muss. Vorgelegt machen sie mir keine Freude und erzeugen mehr das Gefühl, als wollte Marvel da zuviel. Insgesamt war mir einiges zu dünn. Von der wirklich enttäuschenden Mid-Credit-Scene mal ganz zu schweigen. Mir fehlte für die Story der große Bämm, die Überraschung. Vielleicht war ich auch einfach nur meiner eigenen Erwartungshaltung erlegen… Ich hoffte auf  nicht weniger, als ein kleiner Hinweis zu Spiderman oder die lange verleugnete Ankündigung für Planet Hulk. Nach dem letzten Interview mit Marc Ruffalo wäre das ein wirklicher Knaller gewesen, mit dem keiner gerechnet hätte. Doch leider blieb sie aus. Alles in allem ist Avengers AoU ein toller Film, der über seine Spielzeit ohne Längen zu unterhalten weiß, aber irgendwie einen fahlen Beigeschmack mit sich bringt.

Wie so oft, nehme ich mir mehr Themen vor, als ich letztlich abhandeln kann. Vertagen wir die auf ein anderes Mal. In diesem Sinne, schönen Sonntag.

Aus alt mach neu

Wie die Zeit doch vergeht… Mehr oder weniger zufällig, bin ich gestern auf den Blog gestoßen, den ich mal zusammen mit der Liebsten geführt habe. Ein Beziehungsratgeber, weil wir uns beide schon damals als wahre Beziehungskenner erwiesen haben. Oder zumindest so getan, denn unsere Trennungsbilanz spricht eine andere Sprache. Aber es hat uns viel Spaß gemacht, die verschiedenen Themen aus männlicher sowie weiblicher Sicht zu erörtern. Beide Seiten zusammen sollten ein Verständnis oder besser, einen Einblick in die Gedankenwelt der zwischenmenschlichen Beziehung bieten. Hat auch geklappt, und deswegen kam bei mir die Frage auf, ob wir das nicht fortsetzen sollten.

Ein wenig wirkte das ganze wie ein Blick in die Kristallkugel, in der sich lediglich die Vergangenheit abzeichnet. Ich sah mein 4 Jahre jüngeres Ich, unmotiviert und trotzig, vor dem Bildschirm sitzen und sinnloses Gewäsch tippend. Die richtigen Argumente oder Gründe hatte er zwar im Kopf, aber sie wollten ihm nicht über die Finger rollen. Auch nicht, weil das ja ein Eingeständnis bedeutet hätte. Zur damaligen Zeit, konnte er nicht gut einstecken, weshalb jedes Zugeständnis mit einer subtilen Beleidigung, einem Seitenhieb oder einer Spitze versehen wurde, alleinig um anderen zu schaden. Die Holzhammer-Methode, wenn man so will. Nicht meine beste Handlung, dass muss ich zugeben.

Bedenkt man dann noch die Situation innerhalb der Beziehung, die wir zu dieser Zeit führten, dann ist ein solcher Blog beinahe eine Farce. Denn obwohl auf den ersten Blick alles glücklich und harmonisch wirkte, brodelten unzählige Konflikte unter der Oberfläche, die stets auf den Moment zum Ausbruch warteten. Der dann letztlich auch kam. Über den Blog und vor allem die Themen, versuchten wir uns gleichzeitig etwas zu sagen und dem Partner zu schaden. Man liest die getroffenen Hunde und die teils garstigen Sticheleien richtig raus, was gleichermaßen spaßig wie erschreckend ist. Zum Glück muss ich der Frage, wie es dazu kommen konnte nicht mehr nachgehen, denn über diesen Punkt sind wir inzwischen längst hinaus. Wir sind angekommen, glücklich und haben den wesentlichen Teil unserer inneren Zwistigkeiten überwunden.

Und genau deshalb glaube ich, dass es eine gute Idee ist, den Blog zu reanimieren. Ich schreibe sowieso jeden Tag einen Text; wieso nicht auch mal etwas schreiben, dass einen gewissen Nährwert hat? Mal ein Text über Themen, die Frauen und Männer betreffen? Wahrheiten über Sex, Komplimente und andere Alltagssituationen. Völlig ohne die Mario-Barth-Version von Beziehungen. Ohne Übertreibungen des Humors wegen, sondern die tatsächliche, ungeschönte und vor allem bislang unausgesprochene Wahrheit. Denn immer wieder sehe oder höre ich von Paaren, die alleine deswegen scheitern, weil sie keinen Schimmer haben, was der Partner sich wünscht. Wieso also nicht Abhilfe schaffen, wenn es doch geht?! Auf dem Blog wäre sowas wieder machbar.

Ein anderer Punkt, den ich nicht unterschätzen möchte, ist der, dass wir sehr gereift sind. Unsere Erfahrungen sind reichhaltiger, unsere Leben nicht länger von Parties, Alkohol und Wochenenden ausgefüllt, sondern vor Allem emotional weit gereift. Wir haben erkannt und akzeptiert, wer wir sind und wie wir ticken. Sowohl an uns selbst, als auch dem Partner. Alles ist bekannt und in seiner vollkommenen Unvollkommenheit gewollt wie gewünscht. Unsere Bindung ist stärker denn je, was uns zum ersten Mal wirklich als ein Team agieren lässt. Also genau das, was eine Beziehung sein sollte. Eine Zusammenstellung starker Einzeltalente für ein besseres, größeres Ziel.

Dazu käme dann noch, dass ich darüber mein neuerlich aufgeflammtes Interesse für Verhaltenspsychologie anwenden könnte. Warum auch immer wir so viele Jahre nicht dahinter gekommen sind, ist mir ein Rätsel, aber wir interessieren uns beide sehr für den psychologischen Aspekt an zwischenmenschlicher Interaktion. Gerne beurteilen und bewerten wir Situationen wie auch Begebenheiten aus unserem Umfeld. Diskutieren die verschiedenen Möglichkeiten und Ansichten, wie es zu eben jeder Situation kommen konnte und auf welchem Weg der Konflikt behoben werden kann. Folgen und Auswirkungen, ein Blick in die Kindheit, äußere Einflüsse usw… Alles wird berücksichtigt und analysiert.

Es ist äußerst faszinierend zu sehen, dass wir in solchen Unterhaltungen leidenschaftlich und interessiert sind. Viele unserer sonstigen Gespräche sind eher Höflichkeitsakte, denn während der eine mit Leidenschaft von Dingen berichtet, die ihn Bewegen, hört der andere nur halbherzig hin und versucht nicht völlig den Faden zu verlieren. Ein wirkliches Interesse an den Inhalten besteht hingegen nicht. Doch im Fall von Beziehungen, ihren Ursachen und Auswirkungen, da sehen die Zusammenhänge anders aus und wir beide gehen auf.

Ich glaube der Blog ist nicht nur eine aufregende Erfahrung der Liebsten und meiner Wenigkeit, sondern auch spannend für den Leser, der etwas mehr Futter wünscht als die pauschalisierten Klischees, die uns allein ein Beziehungsbild suggerieren, dass es so gar nicht gibt. Hoffen wir einfach mal das Beste und warten ab, was die Liebste sagt.