Beruf oder Berufung?

Ein Thema, dass mich schon lange beschäftigt.

Wieso arbeiten wir? Was macht es so erstrebenswert für uns bestimmte Positionen in bestimmten Branchen zu erreichen? Ist es wirklich nur das Geld? Der Volksmund wird nicht müde zu betonen, dass Geld allein nicht glücklich macht. Also muss da noch mehr sein. Vielleicht Wertschätzung, Anerkennung oder Selbstverwirklichung? Dieser Frage möchte ich mich heute annehmen.

Wieso bin ich, was ich bin?

Sicherlich eine Frage mit hohem Interpretationsspielraum. Die Frage danach was ich bin, lässt sich psychologisch auf vielen Ebenen beantworten oder verfeinern. Bin ich mein Beruf? Bin ich meine Bildung? Bin ich mein Schulabschluss? Bin ich meine Lebenserfahrung? Bin ich meine Wünsche und Träume? Bin ich meine Erziehung?

Die ernüchternde Antwort ist JA. Ich bin ein Produkt all dieser Faktoren.

Ich bin die Summe der Werte meiner Erziehung, dessen, was meine Eltern mich haben als erstrebenswert erachten lassen und meiner persönlichen Präferenzen. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich übrigens Forscher werden. Es war mir wichtig Neues zu entdecken und der Welt mit meinen Entdeckungen zu helfen. Zugegeben, ein kindlicher Traum und ich war ja auch erst sieben Jahre alt, aber ich hielt es für absolut notwendig. Wie die Zeit doch spielt…

 

Bild dir deine Meinung

Dann kam ich in die Schule und erfuhr erstmals, was es mit dem kapitalistisch geprägten Statusdenken auf sich hatte. Als Kind ist es mir nicht aufgefallen, aber rückwirkend betrachtet, hatte die Schule einen deutlichen Einfluss auf meine Weltanschauung. Du bist was du hast. Nicht was du kannst, nicht was du denkst, nicht was du leistest… Nur was du hast. Von Markenschulranzen und NO-NAME-Turnschuhen war alles vertreten und obwohl alle gleich waren, ergaben sich Differenzen. Mein idealistisches, siebenjähriges Ich war damit überfordert. Ich verstand nicht, wieso Besitz Menschen voneinander abhebt. Zwar habe ich das heute begriffen, wirklich nachvollziehen kann ich es immer noch nicht.

Die Jahre in der Schule gingen ins Land. Alle darauf abzielend uns dem bestmöglichen Abschluss zu ermöglichen. Abitur, mindestens. Damit fing es an. Ein Gedanke wurde vermittelt, der bis heute in den Köpfen vorherrscht. Maximierung! Gewinn, Wohnraum, Fuhrpark, Kinder. Je mehr desto gut! Da war es wieder… Du bist was du hast.

 

Und es geht los…

Nach der Schule geht es dann ans Eingemachte. Jetzt muss jeder sich festlegen und den Weg für die Zukunft ebnen. Eine Ausbildung ist dafür eine Möglichkeit oder ein Studium. Und hier sehe ich das größte Problem. In so vielen Jahren wurden uns Motive eingetrichtert, wie wir unser Leben auszurichten haben. Solide Ausbildung, gutes Gehalt, idealerweise eine vorzeigbare Position. Aber wer macht schon was er kann? Oder will? Ich denke es hat gute Gründe, dass BWL der am höchsten frequentierte Studiengang ist. Chancen, Möglichkeiten, Flexibilität. Oder einfach erst mal was Solides machen und dann sehen was kommt.

Aus diversen Gründen entschied ich mich mich gegen das Abitur und für eine Ausbildung. Weil ich keine Ahnung hatte, was ich machen wollte ( und erst recht nicht, was ich konnte) wurde zum Versicherungskaufmann. Solide Ausbildung mit Zukunft – hat man mir gesagt. Aber ist das der richtige Beruf für mich? Woher genau sollte ich das wissen? Wenn ich ehrlich bin, weiß ich das heute auch nicht… Darin liegt dann auch mein Problem.

 

Ich habe meine Ausbildung absolviert, in einem CallCenter gearbeitet, war inoffizieller Teamleiter bei einem Versicherungsmakler und war Selbstständig. Alles markante Stellen in meinem Lebenslauf. Aber die berufliche Erfüllung hat sich nicht eingestellt. Sicherlich war ich in vielem gut und in ebenso vielem schlecht. Aber worauf kommt es mir an? Ich habe gelernt, dass Geld und namhafte Positionen für mich keinen Wert haben. Wichtiger ist es für mich das zu tun, was ich gerne mache.

 

Womit wir wieder beim Thema wären… Beruf oder Berufung?

 

One thought on “Beruf oder Berufung?

  1. Pingback: Was sein ohne zu werden? – Anti - Depp

Schreibe einen Kommentar