Alles neu macht der Mai – Ein Resümeé

Es ist schon eine Weile her, dass ich das Letzte mal etwas geschrieben habe und das hat auch einen guten Grund. Wie so oft, drehten sich meine Gedanken in letzter Zeit um mich. Wer bin ich, wieso bin ich und wo möchte ich sein…. Diese Fragen sorgten für schlaflose Nächte und geistesabwesende Tage, doch zu einer wirklichen Antwort bin ich nicht gekommen. Doch eins stand außer Frage. Etwas musste sich ändern.

Denn inzwischen ertrage ich mein Wesen nicht mehr. Dazu muss ich sagen, dass ich ein Schwarzmaler bin, ein pessimistischer Miesepeter, wie er im Buche steht. Wo andere frohes Kinderlachen vernehmen, spüre ich Wut über den Geräuschpegel. Man könnte fast sagen, ich sei die zu junge Version des pöbelnden, ewig unzufriedenen Rentners, der stets und ständig über die „respektlose Jugend“ schimpft. Obendrein, oder eben deswegen, bin ich ein Zyniker. Zwar mit Sinn für Humor, aber der ist nicht mehr als mein Umgang mit der Welt, in der ich mich so fehlbesetzt fühle. Und genau das muss sich ändern, denn mein Glück und die Lebensfreude nehmen ab. Es scheint ein wenig so, als höhlte ich mich von innen aus, bis nicht mehr verbleibt als eine substanzlose Hülle.

Also habe ich ein paar Entscheidungen getroffen, wie ich dem Umstand Herr werden könnte… Der erste war es, mit meiner täglichen Schreiberei aufzuhören. 750 Worte sind eine ordentliche Stange und es erfüllt mich mit Stolz, dass ich es über 100 Tage in Folge geschafft habe. Dabei sind mal mehr und mal weniger gute Texte entstanden. Einige Ideen, lesenswerte Minikurzgeschichten und sogar der Grundstein für das Buch, an dem ich natürlich weiterhin arbeite. Auch mein Schreibstil, Wortwahl und Ausdruck haben sich deutlich verbessert. Etwas wofür ich dankbar bin, denn ich habe gelernt, was es heißt sich zu engagieren und auch mal Dinge zu tun, auf die man gerade keinen Bock hat. Ich erinnere mich an Abende, an denen mein Kopf genauso leer war wie die Seite vor mir. Die Augen schwer und nur der Gedanke an die eigene Pflicht trieben mich durch den Text. Ich habe gelernt, wie sich Kreativität, Ideen und Einfälle über das Schreiben wie von selbst entwickeln, was dazu führte, dass kaum ein Text den geplanten Verlauf annahm. Eigentlich hätte ich gegensteuern müssen, aber das wollte ich nicht. Die Worte sollten sich frei und ungezwungen entwickeln, weshalb sie mehr und mehr zum Spiegel meiner Seele wurden. Vielleicht sollte ich anfangen Tagebuch zu führen und meine Gedanken mit mir selbst teilen. Ist nämlich nicht so leicht, wie es klingt. Mit dem Schreiben um des Schreibens Willen ist allerdings Schluss. Leider ist mir aufgefallen, dass mir das Ganze zu viel Zeit und Kraft raubt. Und von beidem habe ich derzeit zu wenig. Lieber nutze ich die vorhandenen Ressourcen sinnvoll. Für mich, denn die bereits gemachte Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen.

Den neu gewonnenen Raum widme ich meinem allgemeinen Wohlbefinden. Wie etwas weiter oben bereits beschrieben, habe ich es mir zum Ziel gesetzt positiver zu werden und die guten Aspekte stets vor den negativen zu erkennen. Um das zu bewerkstelligen, möchte ich einiges ausprobieren.

Ein erster Schritt dafür ist die Rückkehr zu meinem „Glückstagebuch“. Einem kleinen und wunderschönen Büchlein, in das ich bestenfalls täglich die positiven Erlebnisse des Tages sammle. Ich hatte damit schon vor ein paar Jahren angefangen, aber aus Gründen der mangelnden Disziplin wieder damit aufgehört. Mein Ziel ist es, immer wenn ich mich schlecht fühle, nachlesen kann, wieso mir der Tag gefallen hat und welche Kleinigkeiten glücklich machen können. Hoffentlich schärft eben das meine Sinne.

Ein weiterer Plan ist es, möglichst viele neue Erfahrungen zu  sammeln um mich der Welt, vor der ich allem Anschein nach Angst habe, weiter zu öffnen. Gemeint sind damit vollkommen neue Erfahrungen und Eindrücke, zu denen ich mich wie bei der Schreibchallenge erst zwingen muss. Auch hier verpflichte ich mich mir selbst und sammle die Ergebnisse unter dem Hashtag #machsgut bei Twitter und FB. Vielleicht steigt ja irgendwer mit ein. Gemeinsam für ein besseres Wohlbefinden.

Das soll es soweit erstmal von mir sein. Machs gut, altes Leben! Egal was du nun tust, mach’s gut!

 

Aus alt mach neu

Wie die Zeit doch vergeht… Mehr oder weniger zufällig, bin ich gestern auf den Blog gestoßen, den ich mal zusammen mit der Liebsten geführt habe. Ein Beziehungsratgeber, weil wir uns beide schon damals als wahre Beziehungskenner erwiesen haben. Oder zumindest so getan, denn unsere Trennungsbilanz spricht eine andere Sprache. Aber es hat uns viel Spaß gemacht, die verschiedenen Themen aus männlicher sowie weiblicher Sicht zu erörtern. Beide Seiten zusammen sollten ein Verständnis oder besser, einen Einblick in die Gedankenwelt der zwischenmenschlichen Beziehung bieten. Hat auch geklappt, und deswegen kam bei mir die Frage auf, ob wir das nicht fortsetzen sollten.

Ein wenig wirkte das ganze wie ein Blick in die Kristallkugel, in der sich lediglich die Vergangenheit abzeichnet. Ich sah mein 4 Jahre jüngeres Ich, unmotiviert und trotzig, vor dem Bildschirm sitzen und sinnloses Gewäsch tippend. Die richtigen Argumente oder Gründe hatte er zwar im Kopf, aber sie wollten ihm nicht über die Finger rollen. Auch nicht, weil das ja ein Eingeständnis bedeutet hätte. Zur damaligen Zeit, konnte er nicht gut einstecken, weshalb jedes Zugeständnis mit einer subtilen Beleidigung, einem Seitenhieb oder einer Spitze versehen wurde, alleinig um anderen zu schaden. Die Holzhammer-Methode, wenn man so will. Nicht meine beste Handlung, dass muss ich zugeben.

Bedenkt man dann noch die Situation innerhalb der Beziehung, die wir zu dieser Zeit führten, dann ist ein solcher Blog beinahe eine Farce. Denn obwohl auf den ersten Blick alles glücklich und harmonisch wirkte, brodelten unzählige Konflikte unter der Oberfläche, die stets auf den Moment zum Ausbruch warteten. Der dann letztlich auch kam. Über den Blog und vor allem die Themen, versuchten wir uns gleichzeitig etwas zu sagen und dem Partner zu schaden. Man liest die getroffenen Hunde und die teils garstigen Sticheleien richtig raus, was gleichermaßen spaßig wie erschreckend ist. Zum Glück muss ich der Frage, wie es dazu kommen konnte nicht mehr nachgehen, denn über diesen Punkt sind wir inzwischen längst hinaus. Wir sind angekommen, glücklich und haben den wesentlichen Teil unserer inneren Zwistigkeiten überwunden.

Und genau deshalb glaube ich, dass es eine gute Idee ist, den Blog zu reanimieren. Ich schreibe sowieso jeden Tag einen Text; wieso nicht auch mal etwas schreiben, dass einen gewissen Nährwert hat? Mal ein Text über Themen, die Frauen und Männer betreffen? Wahrheiten über Sex, Komplimente und andere Alltagssituationen. Völlig ohne die Mario-Barth-Version von Beziehungen. Ohne Übertreibungen des Humors wegen, sondern die tatsächliche, ungeschönte und vor allem bislang unausgesprochene Wahrheit. Denn immer wieder sehe oder höre ich von Paaren, die alleine deswegen scheitern, weil sie keinen Schimmer haben, was der Partner sich wünscht. Wieso also nicht Abhilfe schaffen, wenn es doch geht?! Auf dem Blog wäre sowas wieder machbar.

Ein anderer Punkt, den ich nicht unterschätzen möchte, ist der, dass wir sehr gereift sind. Unsere Erfahrungen sind reichhaltiger, unsere Leben nicht länger von Parties, Alkohol und Wochenenden ausgefüllt, sondern vor Allem emotional weit gereift. Wir haben erkannt und akzeptiert, wer wir sind und wie wir ticken. Sowohl an uns selbst, als auch dem Partner. Alles ist bekannt und in seiner vollkommenen Unvollkommenheit gewollt wie gewünscht. Unsere Bindung ist stärker denn je, was uns zum ersten Mal wirklich als ein Team agieren lässt. Also genau das, was eine Beziehung sein sollte. Eine Zusammenstellung starker Einzeltalente für ein besseres, größeres Ziel.

Dazu käme dann noch, dass ich darüber mein neuerlich aufgeflammtes Interesse für Verhaltenspsychologie anwenden könnte. Warum auch immer wir so viele Jahre nicht dahinter gekommen sind, ist mir ein Rätsel, aber wir interessieren uns beide sehr für den psychologischen Aspekt an zwischenmenschlicher Interaktion. Gerne beurteilen und bewerten wir Situationen wie auch Begebenheiten aus unserem Umfeld. Diskutieren die verschiedenen Möglichkeiten und Ansichten, wie es zu eben jeder Situation kommen konnte und auf welchem Weg der Konflikt behoben werden kann. Folgen und Auswirkungen, ein Blick in die Kindheit, äußere Einflüsse usw… Alles wird berücksichtigt und analysiert.

Es ist äußerst faszinierend zu sehen, dass wir in solchen Unterhaltungen leidenschaftlich und interessiert sind. Viele unserer sonstigen Gespräche sind eher Höflichkeitsakte, denn während der eine mit Leidenschaft von Dingen berichtet, die ihn Bewegen, hört der andere nur halbherzig hin und versucht nicht völlig den Faden zu verlieren. Ein wirkliches Interesse an den Inhalten besteht hingegen nicht. Doch im Fall von Beziehungen, ihren Ursachen und Auswirkungen, da sehen die Zusammenhänge anders aus und wir beide gehen auf.

Ich glaube der Blog ist nicht nur eine aufregende Erfahrung der Liebsten und meiner Wenigkeit, sondern auch spannend für den Leser, der etwas mehr Futter wünscht als die pauschalisierten Klischees, die uns allein ein Beziehungsbild suggerieren, dass es so gar nicht gibt. Hoffen wir einfach mal das Beste und warten ab, was die Liebste sagt.

Vom Zweifeln und mehr

Unzählige Tage habe ich mittlerweile in mein ganz persönliches (obwohl es Dank Facebook und Co schon lange nicht mehr nur mich etwas angeht) Disziplinierungsprogramm gesteckt. 750 Wörter. Jeden Tag. Inhalt beinahe egal. Gerade den letzten Punkt kann man vielen Blogposts deutlich anmerken, denn außer zusammenhängende Wörter ergeben sie keinen wirklichen Sinn. Da steckt keine tiefe Botschaft drin, nichts, worüber man nachdenken könnte, nicht einmal etwas erheiterndes lässt sich darin finden, außer vielleicht den verzweifelten Menschen, der Lebenszeit für dieses Unwerk der Wortklauberei investiert hat.

Was sagen, wenn es nichts zu sagen gibt?

Denn nach nun über 3 Monaten kann ich sagen, dass es unglaublich schwer ist. Und das aus mehreren Gründen. Zunächst wäre da die offensichtlichste, nämlich der Mangel an Themen. Sich selbst zu zwingen eine bestimmte Wortzahl aufs Papier zu bringen, erzeugt den ständigen Druck der Themenfindung. Denn selbst wenn dir heute und morgen etwas einfällt, hast du übermorgen dennoch etwas zu schreiben. Das System ist schonungslos zu jenen, die leichtfertig mit Ideen umgehen. Natürlich hat jeder Ansichten, Meinungen und Wünsche, manche sogar das Verlangen beinahe alles zu äußern. Wie sich gezeigt hat gehöre ich nicht dazu und deshalb musste ich mich sehr bewusst nach neuen Ideen umsehen. Und das war anfangs gar nicht so leicht. Ich bin mir sicher, dass niemand alle Posts hier auf dem Blog gelesen hat und ich kann es auch niemandem verübeln. Selbst ich habe nur die wenigsten nach dem Schreiben und Veröffentlichen ein weiteres Mal geöffnet. Viel zu oft habe ich nichts anderes gemacht, als uninteressanten Bullshit zu Sätzen gepresst und gehofft der Counter unter dem Dokument würde möglichst bald die magische Grenze überschreiten. Aber das ging natürlich nicht immer so. Also musste ich lernen mich mit anderen Themen zu befassen und alle Begebenheiten auf ihren erwähnenswerten Anteil zu prüfen. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass mir das bisher gut gelungen ist, hat es mir zumindest die Augen ein wenig geöffnet. Denn die Welt besteht nicht nur aus den Dingen, die es zu erzählen gibt. Ebenso ist sie voller Belanglosigkeiten, die kaum die Worte mit denen sie beschrieben werden, wert sind.

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Der größte Feind des Schreibers? Er selbst! Genauer gesagt die Zweifel, die er ständig anführt. Denn kaum ein Buchstabe ist sicher vor der ständigen kritischen Beobachtung seines Schöpfers. So geht es auch mir. Ich ertrage kaum meine eigenen Beiträge ein weiteres mal zu lesen, weil ich fürchte sie halten meinem Anspruch nicht stand. Ebenso verhält es sich mich meinem Buch. Oder den lose verbundenen Kapiteln, die bisher irgendwo zwischen ‚ganz mies‘ und ‚absolut furchtbar‘ liegen. Andauernd überkommen mich Zweifel, ob die ganze Schreiberei wirklich das richtige für mich ist, denn ein echtes Talent besitze ich nicht. Soviel steht fest. Es ist Arbeit. Arbeit die von Zeit zu Zeit Spaß macht, meistens aber eine Hemmschwelle bei mir aufwirft, die ich überwinden muss. Und dann bin ich auch nicht sonderlich kreativ, was die Geschichten, die ich zu erzählen versuche wirr, undurchsichtig und absurd wirken lässt. Also ist auch dabei wieder Arbeit notwendig und so langsam frage ich mich ernsthaft, wofür ich das alles mache. Einen Blog den keiner liest? Das Buch, dass wenn es denn je fertig wird bestenfalls öde wird? Das Ausleben meines Hobbys? Gerade dem letzten Punkt kann ich schon jetzt widersprechen, denn es mangelt mir an Leidenschaft. Verglichen mit anderen, die sich nächtelang über der Schreiberei ausleben, wirke ich wie ein Höhlenmensch vor der Steintafel. Auch wenn ich es nicht wirklich zugeben mag, ohne Leidenschaft ist nichts wirklich echt. Und das schafft mich.

Zeit

Der vielleicht kleinste und zugleich größte Problemfaktor ist die Zeit. Als ich mit der ganzen Sache, mehr aus einer Laune heraus anfing, war ich arbeitslos und unterbeschäftigt. Ich konnte mir Stunden nehmen um die letzten Reste Kreativität irgendwo ganz tief aus meinem Inneren zu pulen. Und weil das gerade am Anfang so überhaupt nicht geklappt hat, fing ich an, Minikurzgeschichten um einzelne Sätze aus beliebigen Büchern zu bauen. So bin ich auch auf die Idee für mein Buch gekommen. Das war eine tolle Sache, aber eben extrem Zeitaufwändig. Doch nun, da ich wieder Teil des echten Lebens bin, fehlen mir täglich acht Stunden und ich fürchte ernsthaft, dass zukünftig jede Woche 5 mehr oder weniger lieblos hingewürgte Geistesfürze und am Wochenende hoffentlich etwas für mein Buch herauskommt. Ich hab sehr gehofft, dass ich schneller werde, sich meine Wortwahl sowie mein Satzbau derart verbessert, dass ich meine 750 Worte locker in 20 – 30 Minuten niederschreiben kann. Doch bisher liege ich im Schnitt bei fast einer Stunde – für ein maximal durchschnittliches Ergebnis. Und das deprimiert mich etwas.

 

Ein Tag in grau

Und dann war da plötzlich wieder einer dieser verregneten Tage. Ich sitze in der bahn, hämmere wie ein bekloppter auf mein Telefon ein und hoffe ständig, die Muse würde mich küssen, mir ein wenig Inspiration schenken. Doch meistens bleibt genau das aus.
Sinnentleerte Wirthülsen formen sich zu belanglosen Absätzen, vollkommen inhaltslos. Heute ist der 91. Tag in Folge, den ich mit 750 Wörtern anreichern soll und so langsam gehen mir die Ideen aus, denn so sehr ich mich auch bemühe, der wahre funken der Inspiration bleibt aus.
Viel habe ich zu dem Thema gelesen. Wie entsteht Kreativität,  wie kann man die erhalten. Was wenn sie ausbleibt?  Welche Fördermittel gibt es? Darüber ließe sich bücherweise referieren und dich wäre es nur eine Nacherzählung. Und davon gibt es in diesen Tagen mehr als genug. Sequel jagt Prequel jagt Reboot. Und so sehr ich die Superheldenmaschinerie auch mag, übermäßig originell ist sie nicht. Und sie raubt Platz für Erzählenswertes, Geschichten, die noch keiner gesehen, gehört oder gelesen hat. Vollkommen neue Ideen, frisch und unverbraucht.
Genau das versuche ich ebenfalls. Zu schreiben, was in mir vorgeht, was mich bewegt und vielleicht, so hoffe ich, ist etwas dabei, das andere Menschen berührt, sie erreicht und sogar inspiriert. Ein jähes Ziel, ganz ohne Frage, aber sollte das nicht Motivation und Anspruch eines jeden sein, der schreibt? Ich meine, was wären wir ohne Ziele? Blutleere Arbeitsroboter, die täglich ihrem Handwerk nachgehen, ganz ohne den Funken, der das Leben ausmacht. Das Streben nach mehr. Wo wäre die Natur ohne Ziele? Vermutlich nie über das Stadium des Einzellers hinausgekommen. War ja schließlich alles gut soweit.
Aber darum geht es hier nicht. Es geht um mich, meinen fehlenden kreativen Anstoß und die unsortierte Themenleere in meinem Kopf. Andere schafften über 270 Tage, also das Dreifache meiner bisherigen Leistung. Nun fühlt es sich etwas nach Versagen an. Was wenn all das vergebene Liebesmühe ist, ich gar kein Talent besitze und diese Übung keinen Effekt hat? Lohnt es sich weiter zu machen? Vermutlich!  Sicher!  Vielleicht?
Ein etwas anderer Ansatz wäre es doch, in meinen bisherigen Texten nach lösen Enden zu suchen, also Ansätzen und Ideen, die ich nie ausgeführt habe. Nicht einen dieser Texte, vor allem hier im Blog, habe ich nochmal gelesen. Nach dem Schreiben, beziehungsweise dem Überschreiten der magischen Grenze von 750 Wörtern, legte ich sie ab und archivierte sie. Mal abgesehen von einigen verirrten Lesern sind sie in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
Und ich kenne das Wesen meines Denkens. Etappenweise, abgehackt, sprunghaft, ja fast ein wenig impulsiv. Da ist es doch nicht abwegig, dass einige Fragmente dabei sind, die ich näher ausführen sollte. Oder könnte, denn will die Aneinanderreihung von bedeutungslosen Worten überhaupt jemand lesen? In einer Zeit, wo jeder im Netz alles hat ausser Zeit zum Lesen? Kurze knackige Informationen, möglichst vereinfacht beschrieben, am besten bebildert. So sieht das Medium Internet in seiner genutzten Form aus. Alles ist möglich in der reichhaltigen Welt des Web; vollkommene Vernetzung in unendlicher Isolation. Jeder mit jedem aber immer alleine. Alles was wir seit Anbeginn der Menschheit wollten, war Zugehörigkeit und Geborgenheit. Was wir bekamen war Einsamkeit und ein Deckmantel der uns vormacht, wir wären nie alleine, stets in Begleitung. Jeder ist nur einen Klick entfernt, doch jeder Klick ist tausende Kilometer weit weg. Und so bleibt nur ein Gefühl und ein Wunsch. Beide falsch und ganz tief in uns, kennt ein jeder die Wahrheit. Doch wer würde es wagen sie zu offenbaren? Sich dem Pranger der gefühlten Öffentlichkeit aussetzen? Du? Ich? Wie so oft lautet die Antwort: keiner! Und vielleicht und das auch besser so.
Und so sitze ich in der Bahn, nicht wissend, wann die erlösende Inspiration, dass Quäntchen Genialität aus meinem Kopf sprudelt und sich durch meine Finger zunächst in Worte und später in einen lesenswerten Inhalt wandelt. Denn das ist es doch letztlich, was uns alle antreibt und motiviert weiter zu machen. Der Wunsch etwas zu bewegen, vielleicht sogar etwas verändern. Ob zum Besseren oder eben nicht sei mal dahin gestellt.
Mittlerweile ist die Bahnfahrt vorüber, die Gesichter fremder Menschen längst auf dem alltäglichen Weg zur Arbeitsstätte, alles umspielt von einem Grauschleier der Ödnis. Gelebte Eintönigkeit in seiner reinsten Form, denn alles ist wie immer, nur später. Nichts Neues winkt am Horizont, nichts, das den geplagten Mann emporzuheben vermag. Alles ist wie es war, wie es bleibt und wie es vermutlich immer sein wird. Selbst wenn es sich verändert. Grau in grau ruht die Stadt, die stetig lebt und doch fast tot scheint. Und mitten in ihr ich. Ein einfaches Individuum, frei in den Gedanken und gleichzeitig Sklave meines Anspruchs. Gepeinigt von meinem Willen etwas beizutragen, mehr zu sein als nur ich, ja, einfach etwas zu bewegen. Das zu sein, was niemand in mir sieht, niemand auch nur vermutet. Doch wie so oft vergeht der Gedanke, ebenso, wie es der graue Tag macht. Vorübergehend ohne sich ein letztes Mal umzusehen, Platz schaffend für das was kommt.

Eine (Heim-)Reise durch meinen Kopf

Der Tag neigt sich seinem verdienten Ende, das lange Wochenende lugt schon neugierig um die Ecke und ein jeder eilt eifrig umher. Manche wollen nur schnell nach Hause zu ihren liebsten, wo sie sich in die Arme schließen und liebkosen, dabei stetig die anstehenden Verabredungen zu diversen Essen, Bruchs und Kaffee – Kuchen-Hybriden im Hinterkopf.
Andere hingegen bleiben planlos und ungebunden , lediglich hoffend, dass das Wetter endlich anfängt sich wie ein echter Frühling zu benehmen.
Sie alle teilen sich den Heimweg mit mir und ich sehe, wie sie alle die Fahrt vollkommen unterschiedlich gestalten. Denn längst nicht jeder steht einfach nur so rum und gafft. Nein, vielmehr zeichnen sich diverse Typen ab, die beinahe so vielfältig sind, wie verschiedene Persönlichkeit existieren.

Da wären zum einen die Unterhalter, nervige, meist auffallend junge Menschen, die bewusst alles daran setzen entdeckt zu werden. Hier ist ganz eindeutig jedes Mittel recht, denn wenn es übertrieben laute Musik aus miserablen Handykopfhörern nicht mehr tut, dann muss eine laute Unterhaltung samt überzogenem Gelächter her. Wer nicht reagiert, muss überzeugt werden. Egal wie.

Dann wären da die Platznomaden, die sich mit aller Gewalt in einen zu drei Vierteln besetzten Vierersitz quetschen. Natürlich samt Koffer, Tasche, Zeitung und Kaffeebecher. Neben der absolut dreisten Sitzplatzergreifung, machen sie sich auch mit jeder Minute breiter. Die Konkurrenz wird mittels kleiner Stupser und körperlicher Annäherung, also dem größten Übel des gemeinen Bahnfahrers, strategisch entsorgt.

Gern gesehen ist auch der Wichtige. Er kommt in vielerlei Gestalt daher, denn nicht nur der Schlipsträger, der nervös den Blick zwischen Ipad und IPhone abwechselt, sondern beispielsweise auch in Form des Studenten, der seiner Umwelt (wahlweise Live oder am Telefon) alles zu seinen unglaublich stressigen Alltag verkündet. Nichts klappt einfach, alles ist schwierig und noch viel wichtiger, niemand wird seine Probleme je ganz verstehen können. Dann wären da noch die Leser. Vollkommen abwesend starren sie auf das beschriftete Endmedium. Buch, Zeitung, Zeitschrift, Ebook, Zeitschrift oder die Facebook -Timeline. Einfach alles ist ansprechender als der Blick auf die Mitmenschen. Sie nehmen ihre Umwelt kaum wahr und ignorieren Sie auch nicht selten bewusst.

Des Weiteren gibt es noch Touristen, also Menschen, die jede Haltestelle genau begutachten, in Euphorie schwelgen, sich ständig den Fahrplan ansehen um auch wirklich immer genau zu wissen, wo man sich befindet. Traurig wird es, wenn Touristen keine Fremden sind, die ihre erste abenteuerliche Reise mit der Bahn bestreiten, sondern Ansässige, die seit Jahren hier leben. Leute von denen man meinen sollte, sie kennen sich aus. Dich es gibt sie und ich kann mich da nicht ausnehmen, denn da gibt es Bahnlinien, die ich selbst nach 12 Jahren nicht begreife. Aber das ist ein anderes Thema.
Mittlerweile bin ich angekommen, der fahrenden Varieté des Feierabends entkommen und warte auf meinen Bus, den ich natürlich verpasst habe. Wie immer. Selbst wenn ich pünktlich bin, komme ich zu spät. Ein Schicksal dem ich wohl kaum entrinnen kann, ist es doch über die Jahre zu einer festen Charaktereigenschaft geworden.
Immer wieder stelle ich mir vor, wie es bei Personalbeschreibungen aussehen mag, wenn ich anführe, dass ich aufrichtig, ehrlich, fleißig und chronisch unpünktlich bin. Macht sicher keinen guten Eindruck. Obwohl das Gesicht des Personalers sicher sehenswert wäre. Aber es entspricht nun mal der Wahrheit. Auch wenn ich glaube, niemand auch nur das geringste Interesse an daran hat. Die Verdrehung der Realität zu unseren Gunsten ist irgendwo tief in uns verankert. Wir kleiden uns um ein bestimmtes Ich zu verkörpern, Frauen schminken sich eine Wahrheit ins Gesicht die zeigt was sie sein wollen, aber nicht sind. Sind das nicht auch lügen? Simple Halbwahrheiten ohne echten Auswirkung, aber eben nicht wahr.
Ganz ähnlich ist es doch mit unserem Verhalten, dass wir je nach Situation anpassen. Vor Chefs zeigen wir andere Charakterzüge, als bei Freunden. Und manchmal behalten wir die Maske auch auf, wenn wir alleine sind mit dem größten Feind der Wahrheit, nämlich uns selbst. Aber vielleicht sehen ich das alles auch zu krass und engstirnig. Vllt ist lügen und Anpassung ein Teil der menschlichen Natur und relevant.
Aber ich schweife ab. Den Bus hätte ich natürlich auch übergehen können, schließlich wäre der Weg auch zu Fuß machbar gewesen, aber als Mensch des 21. Jahrhunderts ist zu Fuß gehen schlichtweg keine Option. Deswegen warte ich lieber zwanzig Minuten auf den nächsten.
Sitze da, beobachte die Menschen, wie sie umher rennen, sich um die letzten Einkäufe kümmern und hoffen, die nächsten 4 Tage nicht dem Hungertod zu erliegen. Noch so eine Unart, die sich vor Feiertagen breit macht. Die banale Panik nicht genug zu essen im Haus zu haben. Danke Kapitalismus! In diesem Sinne, frohe Ostern!