Im Sog des Bekannten…

Ist es nicht bezeichnend, wie wir die Ferne herbei sehnen,  jedoch das Bekannte suchen? Der Reiz des Unbekannten, zu entdecken, was noch keiner zuvor sah, zu betreten, was nie betreten wurde. Wie oft lockt eine fremde Kultur mit aufregenden Bräuchen, die ungeahnte Gefühle in uns wecken könnten? Neue Geschmäcker, spannende Klänge als auch nie dagewesene Erfahrungen, die aufgeregt am Horizont winkend verweilen, nur darauf wartend endlich von uns ergriffen und erlebt zu werden. Dieser Reiz, ja, dieser süßlich klingende Ruf aus der Ferne und der Wunsch ihm zu erliegen… All das wohnt uns inne, treibt uns an und bestimmt uns.
Irgendwie.

Denn wenn es darum geht, Idealismus in Taten umzuwandeln,  hinauszuziehen in die Welt um Bekanntes durch die spannende Fremde zu ersetzen, wird es schwieriger. Müßig der Weg und steinig, selten absehbar ist das Ziel. Denn der Reiz zeigt uns lediglich eine Idee, eine vage Vorstellung dessen, was wir uns wünschen.  Die Ungewissheit ist Fluch und Segen zugleich; sie polarisiert,  zieht uns an und stößt in gleichem Maße ab. Ich glaube, dass der Wunsch nach Veränderung das Resultat einer kaum lösbaren Unzufriedenheit ist, denn nicht selten verbinden wir mit einem Wechsel der Umgebung, dem Job, Partner oder was auch immer wir wechseln können, eine Verbesserung. Und nach nicht weniger strebt die Menschheit seit Jahrtausenden. Stetige Verbesserung um unsere Spezies im darwinistischen Gedanken zu erhalten.

Ist es dann gegen den Fortschritt, sich der Fremde zu entziehen? Sich nicht willkürlich in Wagnisse und Abenteuer zu begeben und stattdessen der Bequemlichkeit des Bekannten hinzugeben? Macht es das einfacher? Wirft mich das menschlich zurück? Stehe ich mir damit selbst im Weg?

All diese Fragen kursierten mir in den letzten Tagen häufiger Mal durch den Kopf, denn ich war im Begriff all das zu tun. Dem „Abenteuer“ des Fremden Arbeitsmarktes entsagen um zu einem Arbeitgeber zurückzukehren, den ich damals aus diversen Gründen verlassen hatte. Würde ich meine Integrität verraten? Mit jedem Tag, den der heutige näher rückte, schlief ich schlechter. Meine Gedanken drehten sich im Kreis und irgendwo waberte eine Stimme in mir umher, die stets daran erinnerte, weswegen ich das Unternehmen verlassen hatte. Neben vielen Fragen hatte ich vor allem eins: keine Antworten.

Ich würde es ausprobieren müssen, den Schritt wagen und sehen, was sich ergibt, dachte ich mir immer wieder. Denn nichts und niemand würde eine Antwort parat haben, die meine Fragen, die tief in mir verborgen lagen, zu meiner Zufriedenheit beantworten könnte. Und so sehnte ich mich wehmütig einer Ferne entgegen, die eigentlich in der bereits bekannten Welt lag. Einer Firma, die ich anders verlassen hatte. Denn damals war ich ein anderer. Unreif, unerfahren, ängstlich. Kaum mutig genug, meine Bedürfnisse und Ängste zu formulieren. An meinem Abgang stimmte mich lediglich der Verlust der wunderbaren Kollegen traurig, denn jeder einzelne ist mir auf seine Weise ans Herz gewachsen.

Doch auch die besagte Firma hat sich gewandelt. Kaum wiederzuerkennen und irgendwie surreal, denn sie wirkte auf mich wie eine neue im alten Gewand. Da waren die bekannten Chefs, Kollegen, Büroräume, aber etwas war anders. Ich kann nicht sagen ob es die Stimmung oder meine Einstellung war. Jedoch kam mir alles fremd und vertraut zugleich vor. Denn da waren die Kollegen, die ich in den Jahren zuvor schmerzlich vermissen musste. Kollegen mit denen ich über 3 Jahre sporadischen Kontakt hielt, was in unserer schnelllebigen Zeit keineswegs einfach ist. Selbst die Bürostühle und Schreibtische hatten einen nostalgischen Flair, ohne jedoch alt und verbraucht zu wirken. Wie ich schon sagte, ein merkwürdiges Gefühl.

Ist es also ein Rückschritt? Hintere ich mich selbst daran, an meinen Aufgaben und Herausforderungen, die das Leben bietet, zu wachsen? Ich denke nicht. Denn 3 Jahre sind eine lange Zeit. Jahre in denen sowohl die Firma, als auch ich Erfahrungen machen konnten, die letztlich dazu führten, dass wir nicht länger sein müssen, wer wir waren. Alles verändert sich, denn auch das ist der Verlauf der Dinge. Was bleibt wie es ist, stirbt. Irgendwann. Denn alles ist gezwungen sich an die Umgebung, das Umfeld und die Bedingungen anzupassen. Nur so kann das Überleben gesichert werden.

Und nichts anderes habe ich in den letzten Jahren getan. Ich war draußen in der Ferne, habe eine andere Welt erfahren, ihren süßlichen Duft genossen und erlebt, sah ihre verborgenen Geheimnisse und Schatten. Jede Erfahrung, jedes Leid und alle Eindrücke formten mich zu dem Menschen, der ich jetzt bin. Sie machten mich reifer und lassen mich auf eine positive Zukunft blicken.

Denn seit heute bin ich davon überzeugt, dass es keine Rückschritte gibt. Nur Entscheidungen, die aus den falschen Gründen getroffen werden. Und das habe ich nicht.

Immer wieder sonntags…

So langsam sollte ich geübt sein im Verfassen spannender Einleitungen, aber irgendwie nicht. Mag vielleicht mit der viel zu kurzen Nacht und meiner allgemeinen Sonntagsmüdigkeit zusammen hängen. Richtig einladend ist dieser Frühling bisher nämlich leider nicht. Es kann aber auch schlichtweg an meinem mangelnden Talent liegen. Darüber zu urteilen, obliegt meinen Lesern. Dennoch möchte ich mich kurz sammeln und die Ereignisse meiner Woche in ein paar Worten niederschreiben.

Wolverine macht Schluss

Gestern sorgte Hugh Jackman mit einem Post in den sozialen Netzwerken für Aufsehen. „One last time“. So lauteten seine verheißungsvollen Worte. Gemeint ist damit natürlich die ikonischste Rolle seiner Karriere, der grummelige Wolverine. Bereits 7 Mal war er als der Mutant aus den Reihen der X-Men auf der großen Leinwand zu sehen. Nun soll mit dem nächsten Film endgültig Schluss sein. Bedenkt man Jackmans Nachricht von vor einigen Wochen, in der er mitteilte,  die Rolle bis zum Ende zu spielen, könnten wir durchaus mit dem Tod des nahezu unsterblichen Wolverine rechnen. Das Netz überschlägt sich bereits mit Theorien, möglichen Storys und welcher Film denn nun der nächste sein wird. Denn es wird einen Solo – Auftritt geben, soviel ist klar. Allerdings würde das bedeuten, dass in dem kommenden Apokalypse, wo wieder die versammelte Mannschaft ausfläuft, der grantige Kanadier mit Abwesenheit glänzt. Ich persönlich finde das garnicht schade, denn so langsam bin ich den Charakter leid. Sein Ausscheiden bietet anderen interessanten Mutanten; von denen es bei Weitem genug gibt; Raum und macht die Geschichten wieder etwas Vielseitiger. Warten wir also ab, was da kommt.

Der Arbeitslosigkeit sein Ende

Ja, es ist vollbracht. Aus, Schluss Ende und vorbei. Der Onkel wird nicht länger bis in die Puppen pennen, Pfandflaschen sammeln und mit den anderen Arbeitslosen im Park abhängen. Ich bin endlich wieder in Lohn und Brot wie man so schön sagt. Dieser Eintrag ist mein Letzter, bevor am Mittwoch der Ernst des Lebens zurückkehrt. Nein, mal ganz im Ernst. Es ging mir mit der Zeit so richtig auf den Keks, untätig zu sein. Zwar habe ich versucht meine Freizeit zu nutzen, habe viele Serien, Filme und Spiele nachgeholt und mir auch den Raum genommen, mir über vieles Gedanken zu machen. Meistens erfolgreich, es gab nach der gescheiterten Selbstständigkeit ja auch genug Um nicht vollkommen abzudriften, habe ich aber immer versucht einen normalen Tagesablauf zu erhalten. Früh aufstehen, tagsüber fleißig sein und abends entsprechend müde, wieder rechtzeitig zu Bett gehen. Wollen wir mal hoffen, dass das ausreichend ist. Neben meiner Vorfreude, Körper und Geist wieder einem besseren Zweck zu widmen, bin ich auch etwas skeptisch. Schließlich habe ich mir vorgenommen jeden Tag 750 Worte zu schreiben, im Idealfall für mein Buch, nur habe ich dazu nun täglich acht Stunden weniger Zeit. Wir werden sehen, was das bedeutet. Zumindest bin ich geneigt, mich reinzuhängen. In Beides.

Zwitschert ein Vögelchen…

Ich habe jetzt Twitter. Keine sonderlich spannende Neuigkeit, aber als Freund des Internets, war es nur eine Frage der Zeit. Lange habe ich mich gegen den Trend verwehrt, habe weder Notwendigkeit noch Spaßfaktor verstanden. Zu verwirrend kamen mir all die Bezeichnungen und Kürzel vor. So ein durchschnittlicher Tweet kann recht kryptisch wirken. Das schreckte mich bisher ab. Aber jetzt war es an der Zeit, der Sache eine zweite Chance zu geben. Account erstellt und was soll ich sagen… Ich liebe es. Nicht, dass ich wirklich spannendes beizutragen hätte, darum geht es mir nicht. Aber als Sammelstelle für Informationen und Nachrichten, gibt es in meinem Spektrum nichts besseres. Die Geschwindigkeit ist unglaublich. Durch die Verschlagwortung mittels Tags bietet eine tolle Verkettung von Tweets, die Informationen zu bestimmten Informationen kombinieren. Es ist in Windeseile möglich aus verschiedenen Quellen Fakten, Vermutungen und Wissenswertes zu erhalten. Natürlich auch viel Unfug, ist ja schließlich das Internet.

Zu guter Letzt der ganze Rest

Und was ist sonst noch so passiert? Das Wichtigste zuerst: Bloodbourne ist seit einigen Tagen auf dem Markt und sprengt derzeit alle Tests und Reviews. Das ist auch der Grund für die neu angelegte PS4-Kasse. Jeder Euro, der zu viel ist, wandert dort hinein und vielleicht ist es ja bald so weit. Für das Buch habe ich mich viel mit Perspektiven und Erzählweisen auseinandergesetzt. Leider scheitere ich gerade im Moment gerne Mal an der Motivation. Im Kopf habe ich zwar Ideen und irgendwie auch Lust zu schreiben, aber kaum habe ich das Notebook gezückt und das Dokument zeigt mir den blinkenden Cursor, schon ist alles weg. Mehr mühevoll als spaßig arbeite ich mich durch meine täglichen Texte, ohne so wirklich Erfolg zu haben. Hoffentlich ist das eine Phase, die auch recht schnell wieder verfliegt. Sonst wird das nichts mit dem Buch bis Ende 2015. Und das wäre doch schade.

Statistisch gesehen (Fortsetzung )

Nach dem ersten Set, einem holprigen Pseudogespräch und mit einem mittlerweile schalen, warmen Bier in meiner Hand, ging es weiter mit der Mittagspause. Nach ganzen 1,5 Stunden wurde das ja auch mal Zeit. Wie wichtig Mittag für manche Menschen zu sein scheint, zeigt sich vor allem daran, dass die einzige Frage nach der Einweisung des gestressten Regieassistenten, die nach der Mittagspause war. Furchtbar solche Typen, aber mir sollten noch schlimmere begegnen…
Einer davon war ein großer blonder Kerl Anfang zwanzig, der das Motto hip und alternativ etwas zu wörtlich nahm. Der selbsternannten Tofukrieger gab sich natürlich nicht mit stinkt normalem Essen zufrieden, sondern wollte eine Extrawurst.  Eine ohne Fleisch, aus in freier Wildbahn gezogener Biokresse. Ich meine, jeder darf essen, was er möchte, aber soll dabei bitte die Fresse halten. Manchmal glaube ich, je extremer die Ernährungsgewohnheiten, desto dringender das Verlangen es jedem auf die Nase zu binden, der in Hörweite ist.
Nachdem der Bio-Veganer also den Typ mit dem beschissenen Job des Tages, dem Betreuer der Komparsen, mit seinen Do’s and Dont’s der Ernährungsweisheiten fernöstliche Yogis auf die Eier gegangen ist, gab er sich aber mit dem Wissen um Salat zufrieden. Auch wenn „nur“ Salat etwas einfallslos und fad wäre.
Es gibt Leute die gehören pauschal erwürgt. Aber das ist eine andere Geschichte…
Apropos, ein Erlebnis der ganz anderen Art vermittelte mir eine selbsternannte Schönheit in Form von Jacqueline. Eine Frau wie sie im Buche steht, wenn auch nicht unbedingt im lesenswerten Teil. Auf circa fünf Meter Luftlinie grinste mich bereits ihr leicht überzogenes MakeUp an, dass entfernt an die blaue Phase Picassos erinnerte. Ich bin von Haus aus kein.Freund von übermäßiger Schminke, allein schon deshalb, dass schöne Frauen dadurch hässlich werden, die hässlichen es aber bleiben. Jacqueline hingegen hatte den Bogen raus. Grob mit dem Spachtel aufgetragen, konstruierte sie sich ein völlig neues Gesicht; wenn auch kein Schönes. Ihren sowieso schon fraglichen Stil untermalte sie ihren Look mit einer Jeans in XS, allglatten dunklen Haaren und Glitzerpiercings in Mund und Nase. Das Gesamtbild entsprach den, der Gangleaderin in einem rostocker Vorort.
Kaum Mund aufgemacht bestätigte sie das Klischee, nach dem sie bereits aussah.
In meinem Kopf wurde sie zu dem Starlett, dass nur deswegen als Komparse arbeitet um endlich ganz oben dabei sein zu können. Sie wollte den Fame und sie sollte ihn bekommen. Nicht.
Die ganze Veranstaltungen war ein Auflauf seltsamer Gestalten, Sonderlinge und schrägen Typen. Keine Frage, ich hab ein paar nette Leute getroffen. Auch wenn ich deren Namen bereits vergessen habe.
Weiter ging es dann mit einer Tanzszene (blödes Wort) mit Live-DJ in Form einer prominenten Besetzung. Der Regisseur wies uns Positionen zu und ich bekam ein Bild davon, wie man mit wenig Menschen einen vollen Raum inszeniert, denn wir waren etwa 60-70 Leute und erweckten den Anschein einer randvollen Diskothek.  Alles Lug und Trug beim Fernsehen! Bewaffnet mit meinem warmen Bier, das inzwischen zu meinem stummen Freund geworden war, begab ich mich zusammen mit den Mädels auf die Tanzfläche. Auf Kommando wurde Musik eingespielt und die Menge sollte tanzen. Leider war die eingespielte Musik nur bedingt tanzbar, war sie doch einerseits zu lahm, andererseits aber zu schnell für ein langsames Lied. Und nachdem ich die ersten 40 Sekunden gestern ca. 15 Mal gehört habe, bleibt mir nur zu hoffen, dass es eine tiefere Bedeutung für die Szene hat, denn in einer echten Disko wären an der Stelle alle auf Klo oder an die Bar geflüchtet.
Und während ich mich bemühte beim Tanzen nicht auszusehen, als hätte ich Bienen in der Hose, wurde hinter unserer beschaulichen Gruppe das Geplänkel laut und unerträglich. Mitverursacher war ein Kerl Anfang zwanzig, für dessen Umschreibung ich noch keine politisch korrekte Lösung parat haben. Deswegen kommen wir zunächst auf seine Spielgefährtin zu sprechen. Wüsste ich nicht um die altersbeschränkungen, hätte ich gedacht sie sei eine verzogene 14-Jährige, die wirklich glaubt Arbeit sei Spaß und Geld würde ihr von Haus aus zustehen.
Nach eingängiger Studie, lag ich wohl nur mit dem Alter falsch.
Jedenfalls drehte die Alte völlig auf, nervte mit unpassenden Lautstärke und benahm sich, als wäre es ihr 18.Geburtstag.  Das ein Regisseur (und eigentlich alle anderen auch) vor Ort arbeiten muss und auf Ruhe, Konzentration und Benehmen angewiesen ist, schien der Partygöre egal zu sein. Sie alberne lautstark über diverse Ermahnungen der Crew hinweg mit ihrem aufgekratzten schwülen Freund herum, der aus demselben Grund hier zu sein schien.
Ich muss sicher nicht sagen wir genervt ich war. Aber was tut man nicht alles…

Trotz meiner anfänglichen Skepsis, wurde ich alles in allem von der Arbeit als Komparse positiv überrascht und werde es sicherlich nochmal machen. Alleine schon wegen der vielen unterschiedlichen Menschen, die, jeder auf seine Weise, ausgesprochen unterhaltsam sein können ;-)!

Statistisch gesehen…

Ein aufregender Tag neigt sich dem Ende. Ob ich demnächst als aufstrebendender Filmstar bekannt werde, zweifle ich zwar an, doch das eine oder andere Körperteil stellte ich heute für eine ZDF Produktion zur Verfügung.
Gemeinsam mit meiner liebsten und der besten, durfte ich mich zu früher Stunde ausgehfertig machen. Komisches Gefühl auf einen Mittwoch Morgen, authentisches Diskofeeling zu erzeugen. Vor allem wenn man bedenkt, dass ich vereinzelt Samstag abends Probleme damit habe…
Aber was tut man nicht alles. Deswegen bastelte ich mich heute morgen um acht in das stylischste Kleidungsstück, das mein Schrank hergab und machte mich auf den weg. Verwunderte Blicke inklusive.
An der Lokalität; eine Edeldisko in Hamburg, angekommen, überkam mich ein ungewohnt beklemmendes Gefühl. Der Wartebereich war nach Geschlechtern getrennt und mündete in einem Umstyling. Nicht das ich mir keine Mühe gegeben habe, aber die Frau mit den lustigen Kostümideen war anderer Meinung. Also gab sie mir ein Shirt, das mir locker zweimal gepasst hätte, aber wer will sich da beschweren. Viele Menschen sind schon nicht mein Fall, viele neue Menschen erst recht nicht… Und davon gab es heute reichlich. Typen verschiedenster Klientel, vom profilneurotischen Veganer bis zum schüchternen Maurer war eigentlich alles vertreten. Und ich mittendrin; schüchtern, planlos und heillos überfordert. Aber was tut man nicht alles…
Kaum hatte ich das Martyrium des Umstylings überwunden, schon brach das nächste Elend über mich herein. In Form eines aufgedrehten Medizinstudenten mit übermäßigem Mittelungsbedürfns. Binnen zwei Minuten kannte ich seine Lebensgeschichte, seine Zukunftspläne und den tieferen Sinn hinter seiner Studium. Aber seine eigentliche Passion sei das Arbeiten als Komparse. Diverse Drehs hatte er schon professionell gelöst, er kennt die sich Systeme und die meisten Leute hier sowieso. Etwas verwundert war ich darüber, daß er nicht mit dem Finger auf erfolgreiche bettgeschichten zeigte. So als Komparse ist man sicher beliebt bei den Chicks, dachte ich und hörte auf dem Geachwafel des Halbtürken vor mir zu lauschen. Und egal was er noch sagte, der Zyniker in meinem Kopf betonte immer wieder, was für ein krasser Kerl er doch war.
Wir wurden gebeten, eine kleine Auswahl an Wechselklamotten mitzubringen, für den Fall, dass wir nicht cool genug aussehen. In meinem Fall half das aber auch nichts und das obwohl ich stolz eine H&M-Tüte mit meinen besten Sachen am Start hatte. 3 Shirt, eine Weste und zwei Schals. Mit Unmengen Schmuck war ich ja bereits ausgerüstet. Half aber nix, etwas geliehenes musste her. Cihan, der Medizinstudent, hingegen reiste direkt mit einer kleinen Auswahl in Form eines kühlschrankgroßen Reisekoffers an. Darin befanden sich neben drei Jacken, unzähligen Shirts auch diverse Jeans in allen Farben, die ich mit Namen benennen könnte.
Der Mann war besser ausgestattet als die gesamte Produktion und ich fragte mich ernsthaft, wer von uns beiden hier falsch ist.

Nach einer Weile wurden wir vom Supervisor in den Warteraum zitiert um auf unsere erste Einstellung zu warten. Gefühlt zwei Stunden später und dem erneuten Monolog des Medizinstudenten (schließlich saßen neue Leute am Tisch, die ihn noch nicht kannten), war es dann auch endlich soweit.
Wir sollten uns stimmig und diskomäßig platzieren und nach Spaß aussehen. Garnicht so leicht, denn mein zugewiesener Smalltalk -Partner war nicht nur schüchtern, wie ich auch, sondern seine Gesprächsführung machte aus allem eine geschlossene Frage die er mit ‚Ja‘, ‚Nein‘ oder einem nichts sagenden Schulterzucken. Es war ein Graus.
Das Requisitengetränk, das man mir für die Authentizität gab, erfüllte seinen Zweck nur bedingt, denn die Bierflasche fühlte sich derartig befremdlich an, dass ich sie fast mit dem Typ der beim Umstylen ein löchriges Netzshirt bekommen hat, getauscht hätte.
Aber ich blieb tapfer und versuchte weiterhin eine Konversation zu führen. Leider ohne echten Erfolg. Allerdings sollte das für die Szene egal sein, denn wenn ich den kamerawinkel recht deute, ist eh nur mein Hinterkopf zu sehen. Glück gehabt!
Nach ca fünf Anläufen, war der Regisseur, ein kleiner, aufgedrehter Mann mit Trillerpfeife, zufrieden. Oder er fand es nicht ganz scheiße, weil seinem Blick nach entschied mehr die Zeit als die Qualität. Wie ein Sportlehrer plerrte er alles zusammen, was sich bewegte, nervige Statisten, die ihre Klappe nicht halten können eingeschlossen. Armer Typ, dachte ich, als er wie eine Rennmaus auf Speed hin- und herrannte, Leute zurecht zerrte und versuchte das Gesamtbild anschaulicher zu machen.
Dabei fiel mir auf, was für ein stressiger und aufreibender Job das sein muss. Und dass eine olivgrüne Weste am Film so eine Art Uniform zu sein scheint. Aber das ist ein anderes Thema. Das ständige alles im Auge behalten müssen, würde mich fertig machen, aber jetzt, also über acht Stunden später, bin ich der Meinung, dass er seine Sache gut gemacht hat.
Ich könnte noch mehr berichten über das was ich erlebt und gesehen habe, über die Menschen, die Eigenarten, wenn verschiedenste Menschen auf engstem Raum aufeinander treffen und meine Eindrücke. Aber dazu bin ich zu müde. Vielleicht morgen, oder so.

Es ist Liebe

Für viele ist der Valentinstag nichts als ein Weihnachten für Frauen im Februar. Blumen und Geschenke treiben den einen oder anderen Mann an den Rande der Verzweiflung. Von den armen Kerlen, die heute 50 Shades of Hausfrauen-SM ertragen müssen, will ich gar nicht anfangen. Doch für uns ist dieser Tag aus einem ganz anderen Grund etwas Besonderes. Es ist unser Jahrestag, obwohl sich das nach den Höhen und Tiefen nicht eindeutig festmachen lässt.

In den letzten Jahren habe ich häufig meine Liebe erklärt. Manches war verständlich, manches war süß, anderes nur kitschiger Mist. Doch alles was ich sagte oder schrieb kam aus tiefstem Herzen und entsprach der Wahrheit. Doch es gab auch Vieles, das ich gerne sagen wollte. Jedoch versickerten die Worte auf dem Weg zwischen Herz und Lippen. Es blieb unausgesprochen. Daher widme ich meine heutige Worte alleinig dir! Denn alles was wir sind ist Liebe:

Es ist Liebe, denn du machst mich glücklich, nur weil du bist. Manchmal kann ich mein eigenes Glück kaum begreifen. Du erfüllst jede Fassette meines Erwartungsspektrums, bist der einzige Mensch den ich noch Liebe, selbst wenn ich ihn hassen könnte. Man sagt die Kleinigkeiten, die einen Menschen besonders werden lassen, entwickeln sich im Verlauf einer Beziehung zu einem Problem. Bei uns ist das nicht so, denn ich liebe jede deiner Macken, auch wenn ich das nie zugeben würde.

Es ist Liebe, wenn du für mich da bist. In guten wie in schlechten Tagen, schwört sich jedes Paar am Tag der Trauung. Wenn es gut läuft halten sie sich sogar daran. Es zu aus freien Stücken und ohne näher darüber nachzudenken zu tun, ist aber keine Selbstverständlichkeit. Ich habe sie nie als eine solche gesehen und werde es auch nicht. Ich liebe die kleinen Aufmerksamkeiten, die mit jedem Tag, den wir zusammen verbringen mehr werden. Du denkst zu jeder Zeit an mich und erheiterst selbst meine dunkelsten Stunden. Auch wenn ich versuche es dir gleich zu tun, bin ich dir dafür stets dankbar.

Es ist Liebe, dich im Arm zu halten, deinen Atem auf meiner Brust zu spüren und deinem kaum hörbaren Schnurren zu lauschen. Es gibt Tage, da stehe ich morgen mit dem Gedanken auf, dich abends wieder in den Armen halten zu können, deine Wärme zu spüren und ein Teil deines Lebens zu sein.

Es ist Liebe, wenn aus nichts viel wird, denn mit dir spielt es keine Rolle, ob wir schweigend nebeneinander auf der Couch eine Serie schauen oder uns in stundenlangen Diskussionen verlieren. Jeder Tag mit dir ist anders, selbst wenn sie absolut gleich sind. Nichts scheint wirklich routiniert, obwohl wir perfekt eingespielt sind.

Es ist Liebe, Neues zu entdecken. Vieles von dem, was ich in den letzten sieben Jahren erlebt habe, hätte ich ohne deine Motivation, deinen Zuspruch und deine Unterstützung nie begonnen. Den Arbeitgeber wechseln, mich selbstständig machen, ein Buch schreiben? Du warst die Stütze in meinem Rücken, auf der mein Selbstvertrauen fußt und dafür werde ich dir immer dankbar sein.

Es ist Liebe, ich sein zu können. Im Laufe der letzten Jahre war ich viele Versionen meiner Selbst, doch nie fand ich zu meinem wirklichen Ich. Das Vertrauen in dich und deine Liebe halfen mir zu akzeptieren, wer ich bin. Nun gibt es keinen Grund mehr, mich zu verstellen, eine Rollen einzunehmen oder Gefühle zu leugnen. Durch dich habe ich den Wert meiner Persönlichkeit erkannt und zu schätzen gelernt.

Es ist Liebe, weil sie unkonventionell ist. Wir haben in den letzten 7 Jahren mehr Trennungen durchlebt, als andere Beziehungen. Doch ich bereue keine einzige von ihnen, denn sie formte unsere Beziehung und machte uns zu den Menschen, die wir jetzt sind. Wir reiften durch jede einzelne Trennung ein wenig mehr und fanden erst so zu unserem großen Glück. Wir sind weder in unseren Rollen, noch in unserem Auftreten das typische Paar und wenn ich ehrlich bin, finde ich das gut. Denn Liebe kennt keinen Standard, keine Norm oder feste Regeln die einzuhalten sind. Liebe macht was sie will und findet ihren eigenen Weg, was sich an unserer gemeinsamen Geschichte belegen lässt.

Es ist Liebe, wenn „für immer“ etwas schönes bedeutet. Denn genau so geht es mir. Ich fürchte mich nicht mehr vor einer lebenslangen Beziehung mit dir, sondern freue mich darauf. Es fällt mir schwer, mir ein anderes Leben vorzustellen, denn ohne dich wäre ich nicht mehr ganz. Irgendwas würde immer fehlen. Vor uns liegen noch viele Lebensabschnitte und in jedem einzelnen möchte ich dich an meiner Seite wissen. Denn da gehörst du hin. Du gehörst zu mir, zu meiner Liebe und meinem Leben.