Ein bisschen (Welt-)frieden

Heute möchte ich mal mit einer Frage beginnen: Wozu steht ihr morgens auf? Was treibt euch an, die wohlige Bettwärme zu verlassen und der Welt die Stirn zu bieten? „Arbeit“ werden die meisten darauf entgegnen, denn es ist der tägliche Wecker, der uns müde zu unseren Jobs nötigt. Damit möchte ich nicht unterstellen, dass Arbeit keinen Spaß machen kann, aber in dem Moment, wenn der Wecker den neuen Tag einläutet, wird sicher niemand das Bett gerne verlassen. Und all das nur um Geld für das eigene Leben beschaffen. Für manche gerade genug, dass es zum Sterben zu viel ist, für andere hingegen scheint das Sammeln von Nullen hinter der Eins auf dem Kontoauszug wie eine Sucht. Egal zu welcher Gruppe man sich zählen mag, die meisten behalten das was sie haben für sich.

Geld macht angeblich nicht glücklich, wird zumindest immer wieder behauptet, doch wenn ich mich im öffentlichen Leben aufhalte, gibt es kaum etwas, dass nicht direkt oder indirekt an Bezahlung gekoppelt ist. Also befinden wir uns in einem gesellschaftlichen Kreislauf, bestehend aus Geld verdienen und Geld ausgeben, welches andere verdienen um es hoffentlich wieder auszugeben. So sieht es auch die ideale Marktwirtschaft, doch was macht das mit uns Menschen? Wozu führt diese undurchdringliche Parabel des Geldes? Zu überzogenem Egoismus.

Jeder ist sich selbst der nächste, achtet nur auf die eigenen Bedürfnisse und bemüht sich mehr oder weniger legal diese zu befriedigen. Manche gehen dabei über Leichen, andere werden ihr Ziel schlichtweg nie erreichen. Die Zahnräder jedoch drehen sich weiter und weiter. Tag um Tag ein wenig mehr, denn so funktioniert eine Konsumgesellschaft. Was wir nicht haben, wollen wir kaufen und dazu brauchen wir Geld. Viel Geld und vor allem mehr Geld als der blöde Nachbar mit dem neuen Benz, der nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter 2 Wochen Urlaub mit der Familie macht.

Neid ist eine schreckliche Eigenart der Menschen. Ohne anthropologische Kenntnisse zu haben unterstelle ich mal, dass sie dazu diente, unsere Rasse stets nach mehr streben zu lassen. Denn wenn wir etwas wollen, was wir nicht haben, müssen wir zusehen wie wir es bekommen. Hat der Nachbar ein tolles Auto, will ich auch eins. Hat er ein schickes Haus, muss ich renovieren. Hat er die geilere Frau… Ihr wisst worauf ich hinaus will. Oft vergessen wird dabei jedoch, wie sehr wir uns als soziale Intelligenz voneinander entfernen. Unsere Mitmenschen verkommen zu notwendigen Übeln auf dem Weg zur eigenen Verwirklichung. Trittbretter der Karriereleiter und vermutlich ist das auch die Ursache des allgegenwärtigen Burnouts.

Und genau das ist es, was unsere Leistungsgesellschaft hervorgebracht hat: Egoisten und ausgebrannte Zweifler in der Mitte ihres Lebens. Wenn ich ganz ehrlich bin, sehe ich auch keine Anzeichen, dass sich irgendetwas daran ändert; ganz im Gegenteil. Aber ich habe einen Vorschlag, der vieles verbessern würde, wenn auch nicht unumst0ßlich das Problem löst. Ich sage, besinnt euch wieder auf eure Menschlichkeit. Nehmt andere wahr, hört auf ihre Sorgen und scheißt auf Hab und Gut.

Ich bin fest davon überzeugt, dass in uns allen Gutes steckt, wir das nötige Potential in uns haben, aber nicht nutzen. Stellt euch einfach folgendes Szenario vor: Wo früher jeder zunächst an sich gedacht hat, ist es seine Aufgabe für das Wohl seiner Mitmenschen zu sorgen, darauf zu achten, dass es ihnen gut geht und sie sich keine Sorgen machen müssen, ähnlich dem, was eine Mutter für ihr Kind tut. Bringt jene Fürsorge, die ihr üblicherweise an euch selbst praktiziert habt zu den Menschen, die ihr liebt. Sie werden es euch danken.

In der Konsequenz würde sich nämlich nicht nur ein Mensch um dich kümmern, sondern mehrere. Sie achten darauf, dass du hast was du brauchst, keinen Hunger leidest und gesund bleibst – körperlich und geistig. Alles, das du bisher schon tust, nur vielfach potenziert. Wenn du siehst, dass es jemandem schlecht geht, hilf ihm, zeig ihm etwas Nächstenliebe, schenk ihm ein Lächeln oder eine Umarmung. Meistens reicht das aus um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Alle sehnen sich nach Weltfrieden, aber kaum einer ist bereit bei sich selbst damit anzufangen.

Historisch betrachtet sind Kriege und Leid die Folge der oben beschriebenen Verhaltensweisen. Aber mal ganz ehrlich, fiktive Grenzen ändern nichts daran, was für ein Mensch du bist. Der Name deines Landes oder der Gott deiner Religion bestimmen nicht wer du bist. Denn du hast jeden Tag die Chance selbst zu bestimmen, wer du sein möchtest. Du kannst jedes Mal, wenn du den Wecker ausschaltest ein Arschloch sein oder ein guter Mensch. Du musst nur den Mut und die Motivation dazu haben, die Welt besser machen zu können.

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