Ein Tag mit Hang zur Besserung

Es ist mal wieder so weit. Die Woche ist rum, Spotify trällert mir klassische Musik um die Ohren und ich resümiere, was mich in den letzten Tagen so umgetrieben hat. Zusammengefasst brachten die letzten sieben Tage für mich vor allem zwei Erkenntnisse: Bleib dir treu, du hast es dir verdient und komm in die Gänge. Aber vielleicht fange ich vorne an und erkläre dem  geneigten Leser, was denn los war. So ganz nebenbei erwähne ich heute mal keine Superheldenfilminfos. Gibt zwar Themen, aber ich muss mich ja nicht immer darauf beschränken.

Wie ich gelernt habe mir treu bleiben zu dürfen

Klingt eigentlich recht banal, oder? Ich würde es jedoch nicht aufführen, wenn dem so wäre. Sich selbst treu zu bleiben ist eine Kunst, die man sich im Laufe des Lebens erarbeiten muss. Für den einen mag das leicht von der Hand gehen, während manch anderer auf größere Schwierigkeiten trifft. In meinem Fall bin ich bei dem Versuch meine eigenen Interessen zu wahren, sie zu bestätigen und zu erfüllen, auf die größte Bedrohung überhaupt gestoßen: Mich. Denn neben der Tatsache, dass ich ein Skeptiker, ein Zweifler und eine Zyniker bin, stehe ich mir vor allem selbst im Weg.

So kam es auch, dass ich nach einem Vorstellungsgespräch am Donnerstag ernste Zweifel an meiner eigenen Mündigkeit entwickelt habe. Was darf ich mir, im Kontext betrachtet, erlauben und was nicht? Darf ich wählerisch sein und mich gegenüber machen Optionen verschließen? Würde ich meine engsten Vertrauten (weil beim Rest sind mir Ansichten und Meinungen nicht so wichtig), allen voran meiner Liebsten enttäuschen, wenn ich nicht jede Chance ergreife und wahrnehme? Daran hatte ich wirklich zu knabbern, denn etwas zu machen, nur um den Status Quo zu verändern erscheint tatsächlich nur auf den ersten Blick als wirkliche Option. Weiter gedacht lege ich mir so nur Steine in den Weg für andere, vielleicht bessere Möglichkeiten, sofern es die gibt.

Denn da wären wir schon bei der Kehrseite der Medaille angelangt: Liegt der Glaube an die Verbesserung nicht in unserem tiefsten Wesen? Der Wunsch nach mehr, nach schönerem, nach innigerer Erfüllung und Seelenfrieden? Plagt uns nicht alle diese Unruhe, das „mehr“ sei irgendwo da draußen? Eine bislang unergriffene Chance, die sich uns bietet, sobald wir danach greifen, wenn wir nur den Mut und den Willen haben sie zu finden? Genau diese Gedanken blühten zum besagten Zeitpunkt in mir auf und ich wusste mir nicht zu helfen. Mein Unterbewusstsein und ich hatten sich mal wieder in eine Pattsituation manövriert, beide hoffend, dass ich den Karren aus dem Dreck ziehen würde.

Letzten Endes kam ich zu der Überzeugung, dass beides richtig ist, denn natürlich gibt es „die eine große Chance“ da draußen, die nur darauf wartet ergriffen zu werden. Der Gedanke daran treibt uns an und eröffnet vieles, dass eben nur wegen dem Streben nach diesem „mehr“ möglich war; oder kurz: der Weg ist das Ziel. Zugegeben, Phrasengedresche, aber leider nicht falsch und somit vollkommen angebracht. Ich habe für mich selbst beschlossen, meine Möglichkeiten zu wählen, aber dabei nicht stoisch an Neuem und Fremden vorbeischauen, sondern offen zu sein, für alles was da kommt. Nur achte ich darauf, mich nicht zu verkaufen, mir selbst treu zu bleiben und nach meinen Ansichten zu handeln. Ich bin guter Dinge, dass ich so langfristig am besten fahre.

Komm in die Gänge

Meiner Arbeitslosigkeit geschuldet, leide ich praktisch an einer gewissen Unterbeschäftigung. Lange habe ich den Verlust von sozialen Kontakten auf der Arbeit unterschätzt. Je länger ich die meiste Zeit alleine verbringe, desto mehr fällt mir auf, wie dringend nötig ich sie habe. Genauso steht es mit Erlebnissen und Erfahrungen. Ohne Arbeit, fehlt Geld und unsere Gesellschaft gibt ohne finanzielle Mittel nur sehr wenig interessantes her. Seit ich kein Auto mehr habe, sogar noch weniger.

Aber gerade weil ich mich als Autor versuche, auch wenn mir die Bezeichnung vor dem erfolgreichen abliefern eines Werkes übertrieben vorkommt, bin ich auf unterschiedlichste Eindrücke angewiesen. Das bildhafte Nacherzählen fiktiver Ereignisse erfordert neben Fantasie auch ein reichhaltiges Wissen über die verschiedensten Dinge, wie Gerüche, Gefühle und spannende Orte. Um Welten zu schaffen, muss ich zunächst welche gesehen haben. Nur so kann meine kreative Ader etwas neues und aufregendes erzeugen. Meine bisherigen Kapitel waren gerade in dieser Hinsicht sehr oberflächlich und distanziert geschrieben, was ich zukünftig verbessern möchte.

Dazu habe ich mir fest vorgenommen, jedes Wochenende mindestens einmal mit meiner Liebsten etwas Neues zu probieren und zu erleben. Heute waren wir beispielsweise im Süden Hamburgs in einem historischen Freiluftmuseum für alte Bauernhäuser, gefolgt von einem Besuch im angrenzenden Wildpark. Und obwohl das an sich kein wirklicher Garant für Euphorie ist, sprudeln die Ideen und Verbesserungsvorschläge nur so aus mir heraus. Ich hoffe mehr davon, führt auch zu besseren Ergebnissen, damit auch mein schärfster Kritiker mit dem Buch was anfangen kann.

In diesem Sinne,

schönen Sonntag noch!

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