Nur 750 Worte

Schreiben ist ein Handwerk. Ein Handwerk, dass Übung, Disziplin und Selbstreflektion erfordert und eigentlich jeder lernen kann. Zumindest sollte, wenn er denn die notwendigen Eigenschaften mitbringt und gewillt ist etwas Arbeit mit zu bringen. Denn wie so oft kommt nichts von alleine. Ohne Fleiß kein Preis – um die passende Floskel zu zünden. Das Internet ist voll von Anleitungen und Motivationsregeln. Zugepflastert mit Hilfestellungen, Tricks, Workarounds und sonstigen Kinkerlitzchen; alle mehr oder weniger hilfreich. Denn sind wir mal ganz ehrlich. Etwas zu tun oder eben nicht ist eine Entscheidung. Sicher triffst du diese Entscheidung nicht immer bewusst, aber du triffst sie. Und ich denke genau da liegt das Problem. Ausreden etwas nicht zu tun gibt es nämlich mehr als genug. Und scheinbar sind diese auch leicht gefunden. Konditionierung. Wiederhole eine bestimmte Handlung und mache sie zur Routine. Damit scheint eben diese Handlung leichter, spaßiger und schneller zu vergehen. Denn eben das macht unser aller Gehirn von alleine. Routinen schaffen. Routinen machen unseren Alltag überhaupt erst möglich. Nicht auszumalen, wir müssten uns bewusst mit banalen Dingen wie der Suche nach dem Handtuch nach dem Duschen, dem Auftragen der Zahncreme auf die Zahnbürste oder dem Aufbewahrungsort unseres Haargels auseinander setzen. Nicht ohne Grund sind wir im Stande alltägliche Handlungen mit geschlossenen Augen durchzuführen.

Ein besseres Beispiel sind Schuhe. Fast jeder kann ohne Probleme Schuhe binden. Die meisten sogar blind und in stylischen Variationen, aber wenn ich versuche den Ablauf des Schleifenbindens in Worte zu packen wird es hakelig. Routinen.  Das Gehirn denkt nicht mehr über die einzelnen Schritte nach, sondern ruft einen vollständig erfassten Ablauf ab und führt diesen aus. Immer wieder nach exakt demselben Muster. Ohne Abweichung oder Änderung. Wie eine Maschine. Macht natürlich auch Sinn, damit unser Gehirn Kapazität für alle neuen Eindrücke hat. Die Welt ist voll mit sehenswerten Eindrücken. Vielleicht das Lächeln des netten Nachbarn oder eine schöne Blume auf der Wiese. Der Geruch von frischem Kaffee auf dem Weg zur Arbeit. Treten diese Eindrücke ein- zweimal auf, nehmen wir sie besonders intensiv wahr. Aber natürlich können auch diese Impressionen zur Routine werden, wenn sie wiederholt auftreten und dem Gehirn suggerieren: „Hey, wir kennen uns schon von gestern. Kein Grund für unnötige Förmlichkeiten. Ich bin morgen auch wieder hier.“ Das merken wir uns und schon verschwindet der Geruch von frischem Kaffee an der Ubahn-Station auf dem Weg zur Arbeit. Erst wenn sich das Bistro über Nacht in eine Dönerbude wandelt und das feine Röstaroma dem scharfen Zwiebelgeruch weicht, erleben wir die Situation wieder bewusst.

Und warum genau mache ich hier auf Neuro-Biologen? Nun, ich habe gestern einen sehr interessanten Artikel gelesen, dessen Quintessenz in diesem Post seinen Anfang nimmt. Der Artikel befasste sich mit einer Routine für das Schreiben (Randnotiz: Im ersten Anlauf entstand das Wort Sex ^^). Jeden Tag 750 geschriebene Worte sollen helfen Texte zu verfassen, sich klarer auszudrücken und Gedanken unverblümt zu Papier bringen zu können. Die Sache mit der Routine spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle.

Da es mir bisher nie gelungen ist, die unfassbar kreativen und witzigen Gedanken direkt aus meinem Gehirn in ein Schriftbild zu pressen, möchte ich diese Gelegenheit nicht ungenutzt lassen. Denn wenn es etwas gibt, dass ich bei Slamern, Autoren und sonstigen Worttalenten beneide, dann die Fähigkeit zu schreiben/ sprechen, wie ich denke. Komischerweise klingt es so unfassbar einfach. Als ob ich nur schnell genug in die Tasten hämmern müsste um meinen Gedanken folgen zu können. Hab ich mehrfach probiert – erfolglos. Daher muss jetzt ein anderer Ansatz her und ich finde Routine da gar nicht mal so verkehrt. Laut dem Text (den ich hier bewusst nicht verlinke oder näher erwähne) spielt es dabei keine Rolle, was man schreibt. Es kann eine Kurzgeschichte, ein Brief oder ein Gedankenspiel sein. Wichtig ist lediglich die Länge. 750 Worte täglich. Immer und immer wieder, bis es für das Gehirn keinen Aufwand mehr darstellt und die Sätze sich quasi von alleine formen. Denn dann hat man die Ressourcen um sich höheren Formen der Sprache zu widmen. So zumindest die Theorie.

Mir persönlich geht es dabei viel mehr um eine gewisse Routine im Schreiben als Hilfestellung für mein Buch. Denn nach anfänglicher Euphorie gerate ich aktuell schnell an meine Grenzen. Gerade, wenn ich mich ein paar Tage nicht mit dem Material beschäftigt habe, wirkt es unfassbar müßig sich erneut einzuarbeiten. Und das bei einem vollständig von mir erdachten Script. Wie schwer muss es da erst sein sich in die Arbeit eines Anderen zu fuchsen.

Der Plan ist es also hier zukünftig regelmäßíg lange Posts zu veröffentlichen. Die Themen und Ausrichtungen werden dabei mit Sicherheit variieren. Teils Meinungen oder Ansichten instant aus meinem Kopf gefischt, teils erdachte Kurzgeschichten. Mal sehen. Eine ganz spannende Idee war es sich einzelner Sätze eines Buches zu bedienen und ohne Kontext etwas daraus zu schreiben. Dabei gibt es keine Grenzen, solange der Text mindestens 750 Worte hat und täglich ein neuer geschrieben wird.

Leider kenne ich auch meine Disziplin… Hoffen wir das Beste.

#Tag 1 ; #750Words

 

 

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