Superheldenverfilmungen – Eine Bestandsaufnahme

Comicbücher, Superheldenfranchise und sonstiger Nerdstuff sind nicht zuletzt dank der SitCom Big Bang Theorie gesellschaftstauglich geworden. Fristeten Sie früher noch ein einsames Dasein in den Zimmern sozial verkümmerter Sonderlinge ist es heute fast schon cool mit einem Spiderman-Basecap vor die Tür zu gehen. Und die Filmschleuder Hollywood produziert mehr und mehr Adaptionen diverser Comicvorlagen für das Massenpublikum. Insgesamt sind die diversen Verfilmungen aus der aktuellen Kinolandschaft nicht weg zu denken.

Allen voran dominieren hier zwei Konzerne den Raum. Marvel (das mittlerweile zu Disney gehört) und DC (deren Filmrechte Warner Brothers gehören). Beide Verlagshäuser produzieren seit Jahrzehnten erfolgreich Comicbücher mit verschiedensten Helden. Zum Marvel Universe zählen unter anderem die Fantastic Four, Spiderman, Iron-Man sowie alle X-Men. Die bekanntesten Gesichter aus dem Hause DC sind zweifelsfrei Superman und der Dark Knight Batman. Weniger bekannt, aber bei weitem nicht unbekannt sind Green Lantern, Wonder Woman und der verpöhnte Aquaman. Wo Marvel seine Avengers ins Rennen gegen übermächtige Gegner schickt, hat DC seine Justice League. Auch wenn es den Anschein erwecken könnte, die beiden Häuser stehen kaum in Konkurrenz zueinander. Das liegt vor allem daran, dass DC’s Geschichten düsterer und ernsthafter gehalten sind, während Marvel sich einer Leichtfüßigkeit in Sachen Humor und Witz widmet. Dazu kann man gerne mal Batman-Comics mit denen der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft vergleichen. Es ist also für jeden Geschmack etwas passendes dabei. Und die meisten „echten“ Leser mögen Helden aus beiden Lagern. Allerdings gibt es auch hier die Fanboys, die nur ihren Verlag als den einzig Wahren anerkennen und vehement gegen anders lautende Aussagen verteidigen müssen.

Es dauerte eine Weile, bis die Übertragung der Helden auf die große Leinwand wirklich funktionierte. Ungewollt komische Serienversuche gab es schon in den 60er und 70er Jahren. Ich denke dabei gerne an The Batman mit Adam West. Wer sich ein Bild von der Serie machen möchte kann gerne mal bei Youtube nach den besten Sprüchen suchen. Köstlich. Für den Spinnenmann aus derselben Zeit sah es sogar noch schlechter aus. Trash vom Feinsten. Dann kam mit Tim Burton ein echter Meilenstein, denn er portierte den dunklen Ritter erstmal erfolgreich und würdig auf die große Leinwand. Leider machte sein Nachfolger diesen Erfolg direkt wieder zunichte und begrub die Idee des Superhelden für lange Zeit. Erst Nolan konnte mit seinem ernsthaften Ansatz dem Lieblingshelden vieler Nachwuchsverbrechensbekämpfer zu neuem Glanz verhelfen. Der Debütant Green Lantern scheiterte vollkommen zu Recht und wurde schnell tot geschwiegen. Die Neuauflage des „Stählernen“ unter der Führung von Zack Snyder konnte auch nicht alle Fans begeistern, war aber bei Weitem kein schlechter Film. Insgesamt zeigte DC aber nur wenig Mut und verfilmte in 40 Jahren fast ausschließlich Superman oder Batman. Andere Helden oder Schurken schauten in die Röhre. Zumindest vorerst.

Gleichzeitig rangelten gleich mehrere Marvel-Helden um Aufmerksamkeit, obwohl sie gar nicht von Marvel kamen.Denn Anfang der 90er Jahre geriet der Konzern in eine schwere Krise und war gezwungen die Rechte einzelner Serien zu verkaufen. Fox Entertainment sicherte sich so das Team um Reed Richards, die Fantastic Four und den Kosmos der Mutanten mit den X-Men. Sony schnappte sich Spiderman. Das ist auch der Grund, wieso Wolverine bisher noch keine Unterhaltung mit Iron Man führen konnte. Denn in den Filmen werden diese Universen streng getrennt. Leider.

Während Fox sich seit sieben ansehnlichen Filmen um den Ausbau der Mutanten kümmert, war es recht still um die Fantastischen Vier geworden. Beide Filme erreichten nicht das Niveau der Vorlagen und wurden von Fans und Kritikern nicht sonderlich positiv aufgenommen. Ende dieses Jahres, können wir uns dann vom Reboot überzeugen. Persönlich hoffe ich ja darauf, dass der Film floppt und Marvel die Rechte zurückkaufen kann. Denn damit könnte nicht nur ein sehr einflussreiches Team ins Marvel Cinematic Universe (MCU) integriert werden, sondern auch mächtige Schurken wie der Weltenfresser Glalaktus oder der brilliante Dr. Doom.

Sony hingegen strauchelt mit Spiderman umher. Trotz des tollen Charakters, der interessanten Schurken wollen die Filme nicht so recht zünden. Natürlich waren die 3 Filme von Sam Raimi nicht schlecht, wurden aber den Comics nicht gerecht. Nach dem durchwachsenen Abschluss der Trilogie gerieten die Verantwortlichen aneinander und der Regisseur nahm seinen Hut. Damit auch der Hauptdarsteller Tobey Maguire. Der Reboot von 2012 mit Andrew Garfield sollte dem Helden neue Größe verleihen. Bisher mit mäßigem Erfolg. Für die nächsten Jahre erwarten uns neben weiteren Fortsetzungen auch Spin-Offs für den bereits bekannten Venom sowie das Superschurkenteam „SinisterSix“. Ich bin gespannt.

Was Marvel/Disney hingegen vollbracht hat muss ich wohl keinem mehr erläutern. Mit Iron Man brachten Sie einen Helden auf die Leinwand, der ausserhalb der Comics kaum bekannt war. Dieser Film war der Grundstein für ein monströses Filmprojekt und der Startschuss für das MCU. Denn schon in diesem Film tauchten erste Anspielungen auf den folgenden Thor-Solofilm auf. Plötzlich vernetzte sich alles. Samuel Jackson als Nick Fury tauchte in allen Filmen kurz auf um immer wieder die Avengers-Initiative zu spoilern. Dieser sollte ebenfalls 2012 die erste Phase aus Marvels Masterplan vollenden und alle bisherigen Einzelhelden (deren Rechte sie derzeit besitzen *räusper*) vereinen. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist jedem klar, wie groß die Dimensionen sind, in denen das „Haus der Wunder“ plant. Denn für die nächsten Jahre ist noch so einiges geplant. Aber darauf gehe ich morgen näher ein.

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