100 Tage Unfug schreiben

Die Sonne lacht, mein Fieber scheint weg, der Kaffee schmeckt vorzüglich. Alles in allem ein sehr gelungener Start in den Tag. Dazu kommt noch, dass ich heute ein Jubiläum zu verbuchen habe, denn seit exakt 100 Tagen schreibe ich täglich 750 Wörter. Das macht insgesamt 75. 000 Worte, die beinahe willkürlich zu Sätzen geformt werden. Da ich das ganze als eine Art Schreibübung begonnen habe, möchte ich die Gunst der Stunde nutzen und ausführen, was mir der Aufwand gebracht hat. Denn machen wir uns nichts vor, jeden Tag einen zusammenhängenden Text zu zaubern ist aufwändig und raubte mir mehr als einmal den letzten Nerv.

Eigentlich hatte ich vor, alle Texte auf meinem Blog hier zu veröffentlichen. Könnt ihr euch das vorstellen? Dann wäre ich heute bei 100 Beiträgen von jeglicher Qualität. Sowohl furchtbar und kaum lesbar als auch interessant und gut geschrieben. Alles lässt sich hier finden. Angefangen habe ich mit einer Aufstellung der kommenden Superheldenfilme bis 2020. Das war für den Start ganz gut, denn da war ich im Thema. Zu jedem Projekt habe ich ein paar Fakten zusammen getragen und meine Meinung dazu preisgegeben. Nur fiel mir schnell auf, dass die Informationsdichte gerade für den Bereich ab 2017 oder später mehr als dürftig ist. Deswegen habe ich damit aufgehört. Aus heutiger Sicht auch keine blöde Idee, denn wirklich interessant ist das nur für Nerds und die wissen alles, was da steht.

Nach ein paar sehr durchwachsenen Texten ging ich dazu über mir Kurzgeschichten aus den Rippen zu leiern. Als Basis dienten einzelne Sätze aus irgendwelchen Büchern im Regal. Auf diesem Satz entwickelte ich eine Geschichte, oder einen kurzen Text. Manche sind dabei geblieben, andere wurden über die Tage zu Mehrteilern. Dunkle Pfade hat mir dabei sogar so viel Spaß gemacht, dass ich die Geschichte in ein Buch packen möchte. Das ist auch der Grund, wieso nicht alle Beiträge hier auf dem Blog zu finden sind. Manche liegen ordentlich abgelegt in einer Word-Datei und warten auf Vollendung. Auch wenn Dunkle Pfade (Arbeitstitel) eine Fantasygeschichte ist und ich dem Genre in Buchform wenig abringen kann, macht es mir doch zu viel Freude, die Welt, ihre Personen und den Plot zu entwickeln.

Damit wären wir auch schon bei dem Punkt auf den ich hinaus wollte: Was ich gelernt habe. Texte gehen mir nach den ersten drei Sätzen wesentlich leichter von der Hand. Ist der schwierige und meist holprige Start gemacht, dann läuft der Rest eigentlich gut. Natürlich gibt es dann und wann Aussetzer, aber die haben mit Sicherheit selbst die Profis. Ich denke ich habe ein gewisses Selbstvertrauen erlangt, weswegen ich nicht pauschal alles lösche, wenn es nicht perfekt ist. Fehler oder besser Sätze, Absätze oder ganze Texte mit denen ich nicht zufrieden bin, lasse ich ebenso stehen, wie die, die ich richtig gut finde. Auch auf der Arbeit fällt es mir leichter Sätze, beispielsweise in E-Mails, zu formulieren. Das war es ja auch, was ich erreichen wollte. Die Freue an Worten, das Konstruieren von Sätzen und erzeugen von Klangwelten hat mich schon immer interessiert, nur war ich meistens nicht mutig genug, wirklich zu bloggen. So gerne ich auch wollte. Die leere weiße Seite, der streng blinkende Cursor, meine eigene Erwartungshaltung… Da habe ich es lieber gelassen anstatt etwas aufs Papier zu bringen. Durch den auferlegten Zwang, habe ich jetzt nicht mehr die Wahl. Am Ende müssen 750 Wörter stehen, ganz egal wie. Ich zwinge mich also zu Mut, zu Selbstvertrauen und vielleicht entdecke ich ja ungeahnte Talente. Wer kann das schon sagen.

Mein Schreibstil ist noch lange nicht perfekt, aber gerade im Vergleich zwischen den ersten Gehversuchen und den neueren Exemplaren fällt auf, dass sich doch einiges getan hat. Sie wirken runder, nicht länger abgehackt und blutleer (mein neues Lieblingswort). Früher hatte ich starke Probleme meine Gedanken in Schriftform zu kanalisieren. Es fiel mir schwer Thesen und Behauptungen auszuführen, Gedankengänge vielleicht in 2-3 Sätzen mit anderen Worten zu umschreiben oder Beispiele anzubringen. Durch das Limit von 750 Wörtern, war ich gezwungen, eben genau das zu tun, denn sonst hätte ich sehr schnell Probleme bekommen. Und an manchen Tagen hatte ich die auch.

Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich hundemüde war, weil ich sehr schlecht geschlafen habe. Jedes Wort war eine Qual. Buchstabe um Buchstabe quälte ich mich durch den Text und das Ergebnis ist auch entsprechend. Aber ich habe es durchgezogen und darauf kommt es an. Insgesamt habe ich das Texten mittlerweile in meinen Alltag integriert und auch die Liebste ist sich dessen bewusst. Ich bin stolz und froh, dass ich es bis hierhin geschafft habe und freue mich auf die nächsten 100. Und wer weiß, vielleicht habe ich zum Ende des Jahres mein Buch fertig. Auch wenn ich das nicht glaube 😀

Ich hasse mein Leben – Ein Zyniker sieht rot

„Nabend zusammen!“, rief ich genervt, während ich die Haustür vorsichtig aufstieß. Dabei balancierte ich zwei Alditüten und einen Karton Milch auf meinem Knie. Alles nur einen winzigen Hauch davon entfernt ein buntes Bild moderner Kunst auf dem schicken grünen Teppich abzugeben. Da ich nichts hörte, versuchte ich es erneut. „Nabend! Ich bin zuhause und könnte durchaus Hilfe gebrauchen.“ Mein Ton wurde schärfer. Ich hasste es, wenn diese faulen Säcke absichtlich so taten, als würden sie mich nicht hören. Nur weil sie keinen Bock hatten mir zu helfen. Wäre schließlich nicht das erste Mal. Ich fragte mich, wieso ich die beiden überhaupt bei mir wohnen ließ.

Arschlöcher…

Auf dem kurzen Weg in die Küche rammte ich mir den Fuß am Türrahmen. Und zwar mit Schmackes. So richtig schön den großen Onkel in die Kante gehauen. Vor Schreck jaulte ich laut auf, lies die Tüten unsanft fallen und verfluchte Gottheiten, an die ich nicht glaubte. „So eine verfickte Scheiße. Ich dreh durch.“ Aus einer der Tüten war ein hässliches Knirschen, auf das ein lautes Schmatzen folgte. Ich rechnete mit dem Schlimmsten. „Verflucht nochmal.“ Und dann noch ein paar unverständliche Wortfetzen hinterher. Ich hüpfte auf dem noch heilen Fuß umher, während ich versuchte die restlichen Einkäufe bei minus behalten. Vergeblich . Eine Milchtüte löste sich aus der ohnehin schlecht verbauten Konstruktion und klatschte mir erst auf den Fuß, dann auf den Boden.

Argh!!!!

Während leise die weiße Flüssigkeit aus dem Karton plätscherte und auch der Rest der Einkäufe den Duft der Freiheit atmen wollen, fragte ich mich, wie hoch wohl die Chancen dafür standen, dass eine Tüte aus dieser Höhe ohne Schwung auf Teppich derartig aufplatzt, dass die Spritzer überall in der Küche zu finden waren. Enttäuscht und frustriert setzte ich mich auf den Boden. Natürlich landete ich dabei genau in der dunklen Pfütze, die sich um die Milch gebildet hat. „Yay!“, sagte ich leise zu mir und legte den Kopf auf die Knie. Das war es dann wohl mit dem Abendessen!

Manchmal hasste ich mein Leben. Meistens an Tagen, wie diesen; Tage die mit einem Arschtritt beginnen und einem deftigen Schlag in die Magengrube aufhören. Ich hatte heute bereits genug Stress auf der Arbeit. Kundenservicehotline für Lebensversicherungen, der wohl entwürdigenste Job der Welt. Denn eigentlich machte ich nichts anderes als mich ständig anpöbeln zu lassen, für Dinge, die ich nicht verbrochen habe. Beispielsweise rief mich eine Kundin an um mir zu sagen, dass ich die Ausbildung ihres Sohnes verzockt hätte. Meine Jacht wäre der Grund, wieso er keinen guten Job finden würde. Sie schrie, kreischte und jammerte. Von Zeit zu Zeit ließ sie ein seichtes Schniefen hören, dass umgehend von einer Welle aus Schimpfworten abgelöst wurde. „Hören Sie,“ fing ich an, „nehmen wir einfach mal an, sie haben Recht. Nehmen wir an, ich habe die Kohle ihres Sohnes verzockt und in eine Jacht gesteckt. Meinen Sie nicht auch, dass ich dann einen anderen Job machen würde als mich von Kunden beschimpfen zu lassen? Sind sie nicht auch der Meinung, dass es bessere Wege gibt Geld zu verdienen? Bei denen man Menschlichkeit und Würde noch achtet?“ Sie schwieg. „Ich will mal ganz ehrlich zu ihnen sein.“, fuhr ich fort. „Wir wurden beide betrogen. Denn von dem Geld, dass sie nicht mehr haben, habe ich jetzt auch nichts. Und dass obwohl ich mir von Ihnen genau das vorwerfen lasse. Wie finden Sie das?“ Sie schwieg weiter. Statt etwas zu sagen, schnaubte sie nur übertrieben laut in die Hörmuschel. „Haben Sie das verstanden?“, wollte ich wissen. Doch sie behielt es sich vor nicht zu antworten. „Nun, ich biete ihnen folgendes an. Ich gebe ihnen die Anschrift meines Chefs, sie fahren hin und holen sich ihr Geld zurück. Wie finden Sie das?“

Stille

„Mehr kann ich ihnen wirklich nicht anbieten. Also, er wohnt in der Rabenstraße 23 in Hamburg. 2. Stock, bei Ottmayer.“ Noch während ich breit grinsend weiterredete, sah ich meinen Chef. Hinter mir. Und was er tat war nur entfernt mit einem Lächeln zu beschreiben.

Ich hasse mein Leben

Und nun saß ich da, Gefahr laufend, demnächst Quark im Hosenbein zu erzeugen und fühlte mich furchtbar. „Wa… Wa… Was… iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiisssssssssssst de-de-denn loooooooooooooooos?“ Günther betrat den Flur. Langsam. Sehr, sehr langsam. „Häh?“, entgegnete ich durch meine Knie ohne den Kopf anzuheben. „Wa-wa-wa-wa-…“ „Was hier passiert ist?“, unterbrach ich ihn genervt. Ich war heute nicht in der Stimmung für diese Unterhaltungen. Meine Nerven lagen blank und meine Geduld war am Ende. Beides hätte ich für ein Gespräch mit Günther, meinem Mitbewohner, gebraucht. Allem vorran, weil mein Gegenüber neben seinem Stottern auch noch derart lahm sprach, dass Blumen parallel verwelken würden, ehe er einen Satz zu beenden versucht. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, sonst liebe ich unsere Unterhaltungen samt ihrem Tiefgang, nur eben nicht heute. Hier und jetzt, tief in leicht angetrockneter Milch sitzend.
Nicht mein bester Tag, das erwähnte ich ja bereits. „J-j-j-j-ja genau!“

„Ich komm hier rein, völlig überladen, rufe um Hilfe und was denkst du passiert, huh?“ Schweigen. Seine schrumpelligen Augen sagten Alles. Verlegen blickte er auf den Teppich, wo sich aus einer Tüte ein feines Rinnsaal aus Schoko – Himbeer-Eis bildete.
„Hab ich mir gedacht! Meine beiden Mitbewohner, ach was sag ich, die beiden, die bei mir wohnen dürfen, weil ich ein großmütiger und netter Kerl bin, ignorieren mich einfach. Der Rest ist eine Mischung aus mangelndem Geschick und unglücklichen Zufällen.“ Die aufgeplatzte Milchtüte gluckste, dann ergoss sich auch der letzte Rest über dem Teppich. „Och Kinder, was ist denn hier schon wieder passiert?“ grunzt es aus dem Off. Ich blicke mich um, konnte aber niemanden sehen, auch wenn ich genau wusste, wem die Stimme gehörte. „Was für eine Sauerei das schon wieder ist… Dabei hab ich die Küche doch gestern erst geputzt.“ Kopfschüttelnd stapfte Hans um die Ecke und starrte mich verächtlich an. „Gestern?“, fragte ich ironisch, wissend, dass ich die Küche gestern geputzt habe und er nur korrigierte und Anweisungen gab. „Es reicht wohl nicht, dass du hier reinplatzt, als wärst du Heidi Klum auf neuen Stilletos, nein, dann musst du auch noch lautstark kreischen wie ein Mädchen, weil du dir dein zartes Füßchen stößt.“ Er schüttelte verständnislos den runden Kopf. „Du wohnst hier nicht alleine, mein Lieber. Ist dir das bewusst?“ Dabei hielt er sich einen Huf an die Stirn und seufzte. „Ich brauche doch meinen Schönheitsschlaf!“

Ich rollte die Augen. Diesen Vortrag hatte ich schon unzählige Male gehört. Und war ihn leid. „Du bist ein Schwein.“, entgegnete ich. „Du brauchst keinen Schönheitsschlaf.“ „Oder er hilft nicht!“ fügte ich in Gedanken hinzu. Hans riss die kleinen Knopfaugen auf und versuchte zu knurren. Heraus kam aber nicht mehr als ein Grunzen und heiße Luft. „Das nimmst du sofort zurück!“ Dann rümpfte er die Nase und tippelte zurück in sein Zimmer. „Ich mach das jedenfalls nicht weg. Nur das du’s weißt! “ Damit hämmerte er seine Tür zu. Kurz darauf war lediglich ein dumpfes Schluchzen zu vernehmen. Fast gleichzeitig schüttelten Günther und ich den Kopf. Wahrscheinlich dachten wir sogar dasselbe, schließlich war es nicht das erste Mal, dass so etwas passierte.

„U-U-Unfasssbar!“, mampfte er und machte  allmählich kehrt. „Wohl wahr! Wohl wahr.“ Und dann mehr zu mir als zu ihm: „Ich mach das dann alleine weg?“ Allerdings war er schon wieder im Wohnzimmer verschwunden. „Typisch!“, dachte ich mürrisch und raffte mich auf. Obwohl mein Fuß pulsierte, als würde er nur auf den richtigen Moment zum Platzen warten, machte ich mich daran, dass Chaos zu beseitigen, den Milchfleck bestmöglich trockenzulegen und nicht länger daran zu denken, was für Mitbewohner ich doch hatte.

Etwas später lagen Günther und ich auf der Couch und zappten stumpf durchs Programm. „Nichts. Nichts. Nichts. Weiter. Nächster. Weiter…“, murmelte ich, während mein Daumen in stetig gleicher Frequenz die kleine gelbe Taste auf der Fernbedienung drückte. Ich wollte es nicht zugeben, aber ich schaute längst nicht mehr darauf, was lief. Stattdessen drückte ich die bunten Bildchen pauschal einfach weg. Günther widersprach nie, also nahm ich an, dass er ebenfalls kein Interesse an einem bestimmten Programm hatte. „Worauf hast du denn eigentlich Lust?“, fragte ich in die Stille. Gemächlich drehte er den Kopf zu mir, blinzelte in einer Geschwindigkeit, dass ich zunächst davon ausging, dass er einschlafen würde. „W-W-W-W-Weiß nicht. B-B-B-B-Buch?“

Ihm ging sein Stottern selbst auf den Keks, weswegen er immer dann, wenn er überhaupt keine Lust hatte zu reden nicht mehr sagte, als nötig. „Du willst was lesen? Echt jetzt?“, erwiderte ich. „Ich nehme mal an, du meinst nicht die Facebook-Timeline.“ Ich atmete tief durch und schnitt Günther seine noch unausgesprochene Frage ab. „Schon gut! War nur ein Scherz. Aber ein Buch… ich weiß ja nicht.“ Ich wusste schon, aber das wollte ich nicht zugeben. Lesen lag mir nicht. Fast 30 Jahre mediale Unterhaltung zerstörten meine Fähigkeit mir Dinge vorzustellen komplett. Das ging so weit, dass ich lediglich Bücher las, bei denen ich die Verfilmung bereits gesehen hatte. Fantasie war da nicht mehr nötig, Erinnerungen reichten völlig aus.

Mir lag der Gedanke fern, dass ich meinen Abend vor einem toten Baum mit Druckerschwärze verbringen sollte. „Etwas Bildung würde dir nicht schaden.“ In mir stieg Wut auf. Plötzlich hasste ich das alte Reptil. Zum einen, weil er die unnötigen Sätze schnell und ohne Stottern herausbrachte, zum anderen, weil er recht hatte. Ich konnte Bildung gebrauchen. Schon seit Jahren hatte ich keine Nachrichten mehr gelesen oder eine Zeitung in der Hand gehabt. Außer um witzige Drohbriefe an meine Nachbarn zu schreiben. Dafür schnitt ich verschiedene Buchstaben aus und klebte sie auf einen Zettel. Ich hielt mich dabei für unfassbar kreativ und witzig. Einer meiner Briefe sah so aus:

Hallo Herr Meyer,

ich finde es bemerkenswert, dass sie gerne in den Klamotten ihrer Frau einkaufen gehen, aber bitte ziehen sie sich beim nächsten Mal Unterwäsche an.

Danke

Adressiert natürlich an Frau Meyer!

Ich liebte es Streitigkeiten zu entfachen. Dank der dünnen Wände hier im Haus, konnte ich beinahe allen Unterhaltungen folgen, ohne das die Nachbarn es merkten. Traumhaft. Manchmal machten wir daraus eine Wg-Veranstaltung. Günther mampfte wahlweise Salat oder altes Brot, Hans hingegen Chips, bizarrer Weise am liebsten mit Baconaroma, aber hey, wer würde da urteilen.
Über die Jahre hatte ich allerlei Absurditäten miterlebt, was kümmerte mich da der Hauch von Kannibalismus aus der Tüte?
Hans blieb den ganzen Abend in seinem Zimmer. Wahrscheinlich war er immer noch beleidigt. „Mir egal. Der kriegt sich schon wieder ein“, dachte ich und sah mich augenblicklich wieder mit meinem eigenen Problem konfrontiert. Bücher
Es war mir unangenehm, denn Günther hatte absolut recht. Ich verwahrloste geistig vollkommen. Selbst einfachste Dinge begannen mit anzustrengen, selbst meine Faulheit nahm immer weiter zu. Wenn sich ein Begriff oder eine Erklärung nicht auf Anhieb googlen ließ, war sie nicht wichtig genug. Weitere Nachforschungen strebte ich nicht an, ganz im Gegenteil. Manchmal vergaß ich auf halber Strecke, was ich eigentlich wissen wollte. Also schaute ich fast schon automatisch bei Facebook nach. Dort scrollte ich dann ein bis zwei Stunden durch die Timeline ohne auch nur einen Beitrag zu lesen oder gar zu öffnen. Schrecklich.
In einem Anflug von heroischer Selbstüberschätzung sprang ich von der Couch auf. „Es wird Zeit, dass sich etwas ändert. Schluss mit der Faulheit, Schluss mit dem Rumgehocke und vor allem Schluss mit dem dreckigen Fernseher! “ Wutentbrannt sprang ich auf, hechtete zum bunten Flimmerkasten und packte ihn an den Ecken, als wollte ich ihn anheben. „Mach die Tür auf, das Teil fliegt jetzt raus!“ Günther war sichtlich perplex und schaute mich nur ungläubig an. Dann rollte er die Augen und stieß einen vielsagenden Seufzer aus. „Wirklich?“, zischte er. „Du erwägst also allen Ernstes die Beendigung deiner vielversprechenden Fernsehkarriere durch das martialische Entsorgen des Endgerätes?“ Darüber musste ich nachdenken. Wie immer eigentlich, wenn er derart eloquent daher kam, denn wie immer hatte ich kein Wort verstanden. „Häh?“, blaffte ich zurück. Erst jetzt fiel mir auf, wie schwer der Fernseher war. Mit knallrotem Kopf ließ ich den 50″er fallen, wo er ein lautes Knacken von sich gab. „Uhh…“, dachte ich und sog kräftig durch den spitzen Mund. „Das klang hässlich!“
Es dauerte nicht lange, bis die bislang verschlossene Tür zu Hans sich öffnete und ein einsamer Schweinekopf heraus lugte. Er rümpfte den Rüssel, als könnte er der Luft etwas entnehmen, dass niemand sonst bemerken würde. „Was ist hier los? Warum der Krach? Seid ihr noch ganz dicht?“
Entnervt zuckte ich mit den Achseln, während Günther lediglich den Kopf schüttelte. Den Blick auf den Boden gerichtet, sagte er: „Es ist nichts von Belang. Der Spinner hatte nen Anflug von Selbstverwirklichung und wollte sich des Fernsehers entledigen. Seine schwache Brust ließ er dabei gänzlich außer acht.“ Dann formte sein runzeliger, kleiner Kopf ein schelmisches Grinsen. Sicher kam er sich gerade super schlagfertig vor.
„Oh mein Gott!“, krakelte Hans, wobei er das ‚O‘ besonders in die Länge zog. „Was ist das nur für ein Kerl… Ständig etwas neues in Der Birne…“
Vor meinem inneren Auge stellte sich der rosa Vierbeiner auf und stemmte sich einen Huf in die speckige Hüfte. Er redete wie eine dieser Model-Anwärterinnen, die sich benehmen, als wären sie längst reich und berühmt. Hans trug zwar keine Schminke, aber das war für den Eindruck auch nicht notwendig.
„Macht nur so weiter! Macht nur so weiter!“ Grummelig drehte ich mich um. „Ihr seid mir ja ein schöner Haufen Freunde. Könntet mir zur Seite stehen, mich bei meinem Lebenswandel unterstützen, aber nein, ihr mault nur rum und macht euch lustig. Klasse. Genau sowas wünscht man sich. Ernsthaft.“ Zwar konnte ich mich dabei nicht sehen, aber ich bin mir sicher, dass ich männlich die Augenbrauen hochzog.

KW 9 von und mit mir!

Neue Woche, neues Glück. Was ist diese Woche so alles passiert?Zunächst habe ich gestern schon die zweite Ausgabe meines neuen Formats „Film der Woche“ versäumt, wofür ich mich zumindest ein bisschen schäme. Allerdings führe ich hier kurz meinen Unfilm der Woche auf, den ich gestern Abend gesehen habe. Dann ist Leonard Nimoy alias Mr. Spock im Alter von 83 Jahren verstorben und ich hatte mein erstes Vorstellungsgespräch an einem Samstag. Zum Schluss noch ein paar Worte zu meiner Schreiberei (wofür ich dringend einen anderen Namen brauch :D)! Also auf gehts:

Lucy

Fangen wir seicht an. Sehr seicht, denn der Film ist eines der dümmsten Machwerke der letzten Jahre und ich hab den zweiten Twighlight gesehen. Es geht darum, dass die Protagonistin, gespielt von der wunderbaren Scarlett Johansson, nach einer durchzechten Nacht zu einem Deal mit zwielichtigen Asiaten genötigt wird. In der Konsequenz der Ereignisse pflanzen sie ihr einen Beutel mit einer neuartigen, synthetischen Droge in den Unterleib, den sie ins Ausland schmuggeln soll. Durch unschöne Gewalteinwirkung reißt der Beutel in ihrem Körper auf und ihr Organismus bekommt die volle Dröhnung ab. Großer Vorteil: Lucy kann mit dem Mittel auf mehr als die üblichen 10% ihres Gehirns zugreifen, was ihr ungeahnte Fähigkeiten verleiht. Und spätestens ab da dreht der Film derartig durch, dass man mit Kopfschütteln nicht hinter herkommt. Während der ähnlich klingende „Limitless“ mit Bradley Cooper im Verlauf der Handlung erörtert, wie man mit überdurchschnittlicher Intelligenz handeln könnte, wird aus Lucy eine Art X-Men. Einzig die Weltraumsequenzen sehen noch ganz passabel aus und lassen zumindest optisch ein wenig Licht ins Dunkel, denn nicht nur die Story ist unglaubliche Grütze. Auch die Schauspielleistung von ScaJo und Morgan Freeman, die ich beide sehr mag, ist furchtbar. Von den Actionsequenzen auf B-Movie Niveau will ich gar nicht anfangen. Den Film braucht wirklich niemand, lasst da also bloß die Finger von.

Leonard Nimoy

Schade irgendwie. Nach einer Lungenerkrankung ist der gute Mr. Spock vor 2 Tagen verstorben. Viel kann ich da eigentlich nicht zu sagen, denn ich kannte ihn lediglich als Schauspieler und auch da nur in seiner bekanntesten Rolle. Aber genau das macht es schwierig, denn damit ist eine Kindheitserinnerung gestorben und ein wenig traurig stimmt mich das schon. Ansonsten könnte ich nur wiederkäuen, was der Rest des Internets schon gesagt hat, was ich lasse.

Beruflich und so

Gestern hatte ich mein erstes Vorstellungsgespräch an einem Samstag und irgendwie ist es ein merkwürdiges Gefühl. Aber es war gut, weil ich anscheinend einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe. Nächsten Donnerstag will man sich erneut mit mir treffen und wenn ich mich nicht komplett falsch anstelle, dann könnte ich morgen in einer Woche schon anfangen. Nach den Monaten der Arbeitslosigkeit kann ich mir wenig vorstellen, dass ich lieber täte. Die Position und die Firma um die es geht werde ich nicht näher ausführen, aber ich wage mich in neue Bereiche vor, die ich bislang eher vermieden habe. Ich denke gerade für meine Persönlichkeitsentwicklung ist dieser Schritt genau der richtige, also drückt mir die Daumen.

Meine Schreiberei

Letzte Woche habe ich mich ja über meinen schlechten Stil beklagt und einen gefühlten Downer, was meine Motivation angeht. Liegt vermutlich daran, dass ich mit meiner Geschichte an vielen Enden in Situationen bin, wo mir bisher noch keine Auflösung eingefallen ist. Daran krankt mein Schreibfluss ein wenig, weswegen ich mich auf andere Sachen stürze. Totgeweiht beispielsweise, eine Geschichte um einen Teenager, der durch einen Unfall, bei dem seine Mutter schwer verwundet wird, mit dem Tod und der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert wird. Hier auf der Seite habe ich bislang fünf Teile veröffentlicht und werde damit weiter machen, wenn mir für Dunkle Pfade nichts mehr einfällt. Da beide Storys sehr unterschiedlich sind, glaube ich nicht, dass ich mir selbst kreatives Potential abgrabe. Wirklich schwer tue ich mir weiterhin mit Dialogen, denn alles was meine Figuren sagen klingt roboterhaft und unglaubwürdig, vielleicht sogar albern. Vermutlich werde ich hier einfach noch etwas im Internet und bei der Konkurrenz stöbern müssen um zu lernen, wie so etwas besser geht. Eine andere Idee wäre es, Gespräche aus dem echten Leben aufzunehmen und schriftlich festzuhalten. Gut möglich, dass ich dadurch ein Bild davon bekomme, wie gesprochenes Wort, geschrieben aussehen kann. Mal sehen wer sich dazu bereit erklärt.

Final warte ich noch auf die ersten Reaktionen zu meinen Skript, dass mein Bruder derzeit zum Lesen hat. Natürlich ist das noch sehr grob und unausgereift, da einige Kapitel sich widersprechen, aber es geht im Großen und Ganzen um den Stil und die Richtung in die es geht. Im Laufe dieser Woche sollte ich mein Feedback erhalten. Bleiben wir also geduldig :D!

Wer das liest ist doof! Ernsthaft!

Gerade heute bin ich nach einer langen Nacht mit meinen Freunden ziemlich übermüdet. Wie üblich bei Pokerspielen unter Jungs geht das Ganze gerne mal etwas länger. Und das wiederum hatte zur Folge, dass ich meinen bisherigen Sonntag in einem geistigen Zwischenzustand verbringe. Außer auf der Couch liegen und Filme mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad fürs Gehirn schauen ist nicht viel drin. Das rührt vor allem daher, dass ich schon vor langer Zeit die Fähigkeit aus zu schlafen eingebüßt habe. Weiterlesen