Vom Zweifeln und mehr

Unzählige Tage habe ich mittlerweile in mein ganz persönliches (obwohl es Dank Facebook und Co schon lange nicht mehr nur mich etwas angeht) Disziplinierungsprogramm gesteckt. 750 Wörter. Jeden Tag. Inhalt beinahe egal. Gerade den letzten Punkt kann man vielen Blogposts deutlich anmerken, denn außer zusammenhängende Wörter ergeben sie keinen wirklichen Sinn. Da steckt keine tiefe Botschaft drin, nichts, worüber man nachdenken könnte, nicht einmal etwas erheiterndes lässt sich darin finden, außer vielleicht den verzweifelten Menschen, der Lebenszeit für dieses Unwerk der Wortklauberei investiert hat.

Was sagen, wenn es nichts zu sagen gibt?

Denn nach nun über 3 Monaten kann ich sagen, dass es unglaublich schwer ist. Und das aus mehreren Gründen. Zunächst wäre da die offensichtlichste, nämlich der Mangel an Themen. Sich selbst zu zwingen eine bestimmte Wortzahl aufs Papier zu bringen, erzeugt den ständigen Druck der Themenfindung. Denn selbst wenn dir heute und morgen etwas einfällt, hast du übermorgen dennoch etwas zu schreiben. Das System ist schonungslos zu jenen, die leichtfertig mit Ideen umgehen. Natürlich hat jeder Ansichten, Meinungen und Wünsche, manche sogar das Verlangen beinahe alles zu äußern. Wie sich gezeigt hat gehöre ich nicht dazu und deshalb musste ich mich sehr bewusst nach neuen Ideen umsehen. Und das war anfangs gar nicht so leicht. Ich bin mir sicher, dass niemand alle Posts hier auf dem Blog gelesen hat und ich kann es auch niemandem verübeln. Selbst ich habe nur die wenigsten nach dem Schreiben und Veröffentlichen ein weiteres Mal geöffnet. Viel zu oft habe ich nichts anderes gemacht, als uninteressanten Bullshit zu Sätzen gepresst und gehofft der Counter unter dem Dokument würde möglichst bald die magische Grenze überschreiten. Aber das ging natürlich nicht immer so. Also musste ich lernen mich mit anderen Themen zu befassen und alle Begebenheiten auf ihren erwähnenswerten Anteil zu prüfen. Auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass mir das bisher gut gelungen ist, hat es mir zumindest die Augen ein wenig geöffnet. Denn die Welt besteht nicht nur aus den Dingen, die es zu erzählen gibt. Ebenso ist sie voller Belanglosigkeiten, die kaum die Worte mit denen sie beschrieben werden, wert sind.

Im Zweifel gegen den Angeklagten

Der größte Feind des Schreibers? Er selbst! Genauer gesagt die Zweifel, die er ständig anführt. Denn kaum ein Buchstabe ist sicher vor der ständigen kritischen Beobachtung seines Schöpfers. So geht es auch mir. Ich ertrage kaum meine eigenen Beiträge ein weiteres mal zu lesen, weil ich fürchte sie halten meinem Anspruch nicht stand. Ebenso verhält es sich mich meinem Buch. Oder den lose verbundenen Kapiteln, die bisher irgendwo zwischen ‚ganz mies‘ und ‚absolut furchtbar‘ liegen. Andauernd überkommen mich Zweifel, ob die ganze Schreiberei wirklich das richtige für mich ist, denn ein echtes Talent besitze ich nicht. Soviel steht fest. Es ist Arbeit. Arbeit die von Zeit zu Zeit Spaß macht, meistens aber eine Hemmschwelle bei mir aufwirft, die ich überwinden muss. Und dann bin ich auch nicht sonderlich kreativ, was die Geschichten, die ich zu erzählen versuche wirr, undurchsichtig und absurd wirken lässt. Also ist auch dabei wieder Arbeit notwendig und so langsam frage ich mich ernsthaft, wofür ich das alles mache. Einen Blog den keiner liest? Das Buch, dass wenn es denn je fertig wird bestenfalls öde wird? Das Ausleben meines Hobbys? Gerade dem letzten Punkt kann ich schon jetzt widersprechen, denn es mangelt mir an Leidenschaft. Verglichen mit anderen, die sich nächtelang über der Schreiberei ausleben, wirke ich wie ein Höhlenmensch vor der Steintafel. Auch wenn ich es nicht wirklich zugeben mag, ohne Leidenschaft ist nichts wirklich echt. Und das schafft mich.

Zeit

Der vielleicht kleinste und zugleich größte Problemfaktor ist die Zeit. Als ich mit der ganzen Sache, mehr aus einer Laune heraus anfing, war ich arbeitslos und unterbeschäftigt. Ich konnte mir Stunden nehmen um die letzten Reste Kreativität irgendwo ganz tief aus meinem Inneren zu pulen. Und weil das gerade am Anfang so überhaupt nicht geklappt hat, fing ich an, Minikurzgeschichten um einzelne Sätze aus beliebigen Büchern zu bauen. So bin ich auch auf die Idee für mein Buch gekommen. Das war eine tolle Sache, aber eben extrem Zeitaufwändig. Doch nun, da ich wieder Teil des echten Lebens bin, fehlen mir täglich acht Stunden und ich fürchte ernsthaft, dass zukünftig jede Woche 5 mehr oder weniger lieblos hingewürgte Geistesfürze und am Wochenende hoffentlich etwas für mein Buch herauskommt. Ich hab sehr gehofft, dass ich schneller werde, sich meine Wortwahl sowie mein Satzbau derart verbessert, dass ich meine 750 Worte locker in 20 – 30 Minuten niederschreiben kann. Doch bisher liege ich im Schnitt bei fast einer Stunde – für ein maximal durchschnittliches Ergebnis. Und das deprimiert mich etwas.

 

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