Der Wert der Werte

Sonntag habe ich noch groß getönt, dass sich selbst treu bleiben der Shit meiner neuen Lebensweise wäre und heute nicht mal zwei Tage danach komme ich schon mit mir selbst in Konflikt. So habe ich mir das sicher nicht vorgestellt. Es geht mal wieder um mein Lieblingsthema nach Superhelden: Arbeit aka „Wie finde ich welche?“ Der Auslöser meine Mini-Sinnkrise ist ein Gespräch, dass ich am heutigen Tage mit einem potentiellen Arbeitgeber hatte. Da lief vieles gut und manches irgendwie nicht.

Denn allem voran sollte ich erwähnen, dass ich dort bereits tätig war. Unerfahren und ohne weitere Kenntnisse vom Arbeitsmarkt stieg ich damals in der Blüte meiner Zwanziger bei dem Unternehmen ein. Da es mir in jeder Hinsicht an Vergleichsmöglichkeiten fehlte, an denen ich mich selbst oder aber alles innerhalb der Firma hätte messen können, nahm ich beinahe alles was da so passierte als gegeben hin. Unter anderem auch die Bezahlung, die mich irgendwie ernüchtert hat. Meinen Einstieg hatte ich nach dem Zivildienst über eine Zeitarbeitsfirma von denen ich nur wusste; klassisches Hörensagen; dass sie schlecht bezahlen. Nur hatten wir 2009 und gelernte Versicherungskaufleute standen in der Gunst des Arbeitsmarktes nur knapp über 9Live-Moderatoren. Keiner hat die Krise aus 2008 vergessen und vor allem nicht, wer daran Schuld war, nämlich jeder Konzern, der Geld mit dem Geld unbescholtener Bürger verdiente.

Entsprechend sahen meine Chancen am Markt auch aus, denn niemand wollte etwas mit den Sündenböcken, die nur zocken zu tun haben. Und selbst wenn jemand, geneigt war, Kaufleute aus der Versicherungswelt einzustellen, dann nur mit jahrelanger Erfahrung. Zu meinem Unglück gab es davon reichlich, weil Massenentlassungen bei diversen namhaften Versicherern den Markt fluteten. Mittendrin tummelte ich mich, unerfahren, ohne wirklichen Plan von der Welt und vor allem demnächst arbeitslos. YAY! Genau das, was ich mit der Ausbildung eigentlich vermeiden wollte. (2005 war man wirklich noch der Meinung, dass sei ein krisensicherer Job, der mir überall die Türen öffnen würde)

Also geriet ich an eine Zeitarbeitsfirma über die ich nicht mehr wusste, als das was sich in den Gängen meines Ausbildungsbetriebs so erzählt wurde. Hingegen wusste ich nicht, von wann deren Informationen stammen, denn die Schauermärchen, die ich zunächst für bare Münze genommen hatte, erwiesen sich im Nachhinein fast alle als Unfug. Lediglich in einem Punkt muss ich dem „Zeitarbeit ist moderne Sklaverei“- Konsens zustimmen: Die Bezahlung. Denn hier greift ein sehr knapp kalkulierter Tarifvertrag, der auch für ausgebildete Fachkräfte nur dürftige Ergebnisse erzielen kann. Zugegeben, ich war zum Ende meiner Ausbildung mit Summen geködert worden, die ich heute, fast sieben Jahre später, mehr als anzweifle (wobei sie auf der anderen Seite so einiges erklären dürften). Ich sollte 900 Euro weniger bekommen, als mir im Kopf herumschwirrte. Das war natürlich ein Schock.

Allerdings ist wenig Geld, nüchtern betrachtet, besser als kein Geld, weswegen ich letztlich die Stelle annahm und im Rahmen der Personalüberlassung bei oben genannter Firma anfing. Stets war die Übernahme ein Thema, sofern ich denn gute Leistungen zeige. Gesagt getan, war es dann nach einem halben Jahr soweit. Ich wurde zum Gespräch mit der Geschäftsleitung gebeten und mir wurde ein Vertrag vorgelegt. Jetzt kommt endlich der wahre Verdienst, dachte ich mir, innerlich froh, die Tage der Entbehrungen hinter mir zu lassen. Doch die Zahl, die das Papier zierte war ein herber Dämpfer für meine frisch auflodernde Euphorie. In Summe würde ich etwas über 100 Euro mehr bekommen als bei der Zeitarbeitsfirma.

Besser als Nichts war die Devise und ich argumentierte mit meiner mangelnden Berufserfahrung und dem hochgradig unsicheren Auftreten, dass ich in den Gesprächen an den Tag legte. Ganze drei Jahre, die ich rückwirkend als zufriedenstellend und positiv beurteilen würde, spielte das Geld für mich keine Rolle mehr, bis in mir der Gedanke aufflammte, dass meine Tätigkeit mehr wert sein sollte, als das was ich bekomme. Deswegen schaute ich mich am Markt um und erzielte mit meinen Erfahrungen sowie meiner Persönlichkeit ganze 600 Euro mehr. Stolze Summe, wenn auch weit hinter dem, was andere in vergleichbaren Positionen und Werdegängen mitgenommen haben.

Nun bin ich kein Typ, der seinen Selbstwert anhand des Kontoauszugs bemisst. Davon gibt es auf der Welt (leider) genug. Vielmehr stelle ich die Anforderung, angemessen entlohnt zu werden. Je hochwertiger meine Qualifikation, meine (neudeutsch) Soft-Skills und meine Tätigkeit für das Unternehmen, desto mehr will ich am erzielten Gewinn partizipieren. Eigentlich ist das doch nicht zu viel verlangt, oder?

Warum schreibe ich das alles? Ganz einfach: Zwischen meinen Anfängen in der Berufswelt und Heute liegen insgesamt 6 Jahre, prall gefüllt mit unterschiedlichsten Aufgaben, Kompetenzen und Bereichen. Sahnehäubchen in Form einer Selbstständigkeit inklusive. Ich bin eine gestandene Persönlichkeit (soviel Eigenlob muss gestattet sein, zumal das hier ja eh niemand liest), weiß mich auszudrücken und bin meinem Ich vor 6 Jahren in vielen Teilen voraus. Dennoch bietet mir der bereits benannte Arbeitgeber für eine in meinen Augen hochwertigere Position denselben finanziellen Anreiz wie damals und negiert in meinen Augen damit jegliche zwischenzeitlich erworbene Fähigkeit und Erfahrung.

Und jetzt stehe ich gedanklich am Scheideweg, denn Sonntag habe ich noch getönt, dass es mir im Wesentlichen um Spaß an der Arbeit und Selbsterfüllung geht; unabhängig der finanziellen Aspekte. Andererseits überkommt mich das Gefühl, mich unter Wert zu verkaufen.

Schwierige Sache das… Und mit Sicherheit ist der letzte Gedanke noch nicht gedacht.

Schreibe einen Kommentar